Coyote Teaching – Was ist das Lernzonenmodell der Naturvölker?

SirVival

Coyote Teaching – Was ist das?

Was soll das heißen: “Lernzonenmodell der Einheimischen.”  Jede Tierart trägt eine eigene Medizin in sich, also eine bestimmte Essenz oder einen besonderen Charakterzug, die ihn als Spezies ausmachen. Beim Coyoten ist diese Medizin das “Tricksen”.

Der Schelm unter den Tieren

Er ist ein Scharlatan unter den Tieren, ein Trickkünstler, ein Spieler, der immer bereit ist, seine Umwelt an der Nase herumzuführen. Er taucht vollkommen unvermittelt an Orten auf, an denen ihn niemand vermutet, lässt sich nicht im geringsten einschätzen und geht immer seine eigenen Wege. Auf seine Weise stellt er stets alles in Frage, was wir als Naturgegeben ansehen und zwingt uns so, die Dinge noch einmal in einem neuen Licht zu sehen.

Mit einem besonderen Gespür findet er die kleinen Lücken zwischen den Gesetzmäßigkeiten und stellt immer wieder alles auf den Kopf. Er findet Wege und Möglichkeiten, die außer ihm niemand kennt und die niemand zuvor gegangen ist. Dadurch hilft er uns dabei, uns für Weltsichten zu öffnen, die wir uns zuvor nicht einmal vorstellen konnten.

Ein Coyote in der Steppe

Der listige Fuchs

Eine ähnliche Medizin trägt in Europa auch der Fuchs in sich, der nicht umsonst in Fabeln immer als gerissener und schlauer Geselle dargestellt wird, bei dem man nie so richtig weiß, ob man ihm trauen kann.

Die wichtigsten Elemente, die sowohl Coyote als auch Fuchs in sich tragen, sind jedoch ihre Verspieltheit, Leichtigkeit und Freude. Ihr Ziel ist es nicht, jemanden an der Nase herumzuführen, um ihn bloßzustellen. Vielmehr geht es darum, den Verstand auszutricksen, um so zum Herzen zu gelangen. Nicht weil sie etwas Böses wollen, sondern weil es ihnen Freude bereitet, alte, überholte Gedankenmuster zum Einsturz zu bringen.

Fuchs

Tricksen als Lehrmethode

Coyote Teaching ist also die Lehrart, mit der man den Weg zum Herzen findet. Durch das Coyote Teaching finden wir heraus, wie wir uns vom Verstand gelenkten Roboter-Wesen, hin zum Herzmenschen entwickeln können. Das Coyote Teaching ist in den Naturvölkern die Grundlehre, durch die man es schaffen kann, nach seinem Herzmagneten zu leben.

Der Coyote ist dabei ein Spieler. Wenn ihm etwas keine Freude bereitet, dann tut er es nicht. Wenn er es aber tut, dann bereitet es ihm auch Freude.

Dank all dieser Eigenschaften und Qualitäten wurde der Coyote zum Namensgeber einer ganz besonderen Lehrform, die seit Jahrtausenden von Naturvölkern überall auf der Welt genutzt wird.

Tricksen als Lehrmethode

Was zeichnet das Coyote-Teaching aus?

Das Coyote Teaching ist kein stures Auswendiglernen, Nachplappern oder Aufsagen, wie wir es häufig unter Lernen verstehen, sondern ein spielerisches Erforschen und Entdecken. Mit Hilfe des Coyote-Teachings gelingt es den Einheimischen bis heute, ein tiefes Verständnis von der Natur und dem Leben zu gewinnen, alle Fähigkeiten zu lernen, die sie zum Leben benötigen und in einen echten, direkten Kontakt zum Gottbewusstsein zu gelangen.

Das Coyote Teaching ist die gleiche Methode, mit der  junge Tiere von ihren Eltern lernen und mit der auch wir unsere Welt in den ersten Monaten unseres Lebens erkunden und entdecken. Anders als wir in unserem Schulsystem annehmen, gehört es zu den Grundbedürfnissen eines jeden Lebewesens, sich selbst zu entwickeln, zu wachsen, zu lernen und die Grenzen des eigenen Bewusstseins zu erweitern. Wir besitzen eine natürliche Neugierde und es ist uns ein tiefer Herzenswunsch, den Dingen auf den Grund zu gehen. Wir wollen unsere Fähigkeiten verbessern und verfeinern, die Welt und uns selbst besser kennenlernen, neue Herausforderungen meistern und so zu starken, selbstständigen und hilfreichen Mitgliedern der Erdengemeinschaft werden. Das einzige, was diesen Herzenswunsch zum Erlöschen bringen kann, ist ein äußerer Zwang.

Das Problem mit dem Schulunterricht

Genau dies ist aber die Methode, mit der unser modernes Schulsystem arbeitet. Als Schüler, Studenten und Auszubildende lernen wir nur selten das, was wir lernen wollen und was uns wirklich aus tiefster Seele interessiert. Stattdessen lernen Dinge, die wir lernen müssen, weil irgend jemand bestimmt, dass dies für unser Leben wichtig ist. Wir werden gezwungen, uns Informationen einzuprägen, dessen Bedeutung wir nicht verstehen. Wir müssen Fertigkeiten erlernen, ohne dass wir dafür einen Bedarf oder eine Notwendigkeit erkennen. Zudem bekommen wir ständig Antworten auf Fragen, die wir überhaupt nicht gestellt haben. Dies alles erstickt unseren Lerntrieb und plötzlich tritt an die Stelle von begeisterter Neugierde Langeweile und Frust.

Hinzu kommt, dass wir nicht in unserem eigenen Tempo lernen dürfen. Wir werden nach Altersstufen geclustert und müssen in einer vorgegebenen Zeit lernen, was man von uns erwartet, egal ob wir damit unter- oder überfordert sind. Es ist also kein Wunder, dass wir als erwachsene Menschen oft eine innere Abneigung verspüren, wenn es ums Lernen geht.

Die Grundpfeiler echten Lernend

Doch ein wirkliches Lernen und Entwickeln kann nur dann stattfinden, wenn wir mit Freude, Begeisterung und Leidenschaft dabei sind. Unser Gehirn unterteilt Informationen stets in “wichtig” und “unwichtig”, “interessant” und “uninteressant”. Wenn wir uns innerlich gegen etwas sträuben, wenn wir es langweilig finden oder wenn wir keinen Sinn darin sehen, dann fällt dieses Lerngebiet automatisch in die zweite Kategorie.

Das heißt im Klartext:

Langweilige Informationen, werden nur kurz abgespeichert, um einen anderen glücklich zu machen.

Die Vorteile vom Coyote-Teaching gegenüber dem Schulunterricht

Coyote Teaching hingegen ist kein Stress-basiertes Lernen. Der Mentor beobachtet den Schüler ganz genau und fragt sich stets: “welchen Wissenshunger sollte ich stillen”. Er ist wachsam wie ein Luchs und vermag hinter dem grauen Schleier der Gesellschaftsforderungen heraus zu spüren, in welchem Bereich der Coyoteschüler lernen will.

Entdecken und Fördern der Talente

Die Frage, die er sich stellt, ist: „Wonach dürstet es dich? Was ist dein Verlangen? Wohin zieht es dich?“ So gibt es Kinder, die sich für alles begeistern können, was im Weltall ist. Andere wiederum, sind Maler und Künstler. Jedes Kind ist anders. So hat jedes Kind eigene Talente, die gefördert werden sollten. Aus diesem Grund kann es keinen Allgemeinlehrplan für einen Schüler geben. Wenn wir darauf drängen, dass der Gesellschaftslehrplan erfüllt sein muss, zerstören wir den natürlichen Lernhunger. Um es noch mal, in aller Intensität auszudrücken. Kinder sind süchtig nach Wissen. Wir als Lehrer, können Sie jedoch von Wissenshunger entwöhnen, in dem wir ihnen stets Nahrung vorsetzen, die sie nicht ein Mal riechen können. Wenn Kinder schon die Nase rümpfen und sie die Augen rollen, dann habe ich als Mentor, nicht das richtige Lernfeld aufgegriffen. Wenn Kinder etwas als langweilig oder nicht wichtig erachten, dann lernen sie gegen einen Widerstand an.

Das Lernen abtrainieren

Doch nicht nur dass, sie lernen, das lernen, keinen Spaß macht. In ihren Geist wird geprägt, das Lernen sie nervt, aufregt, stresst oder sogar abstößt. Wenn wir ein Kind so prägen, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn es nicht mehr wie ein Schwamm das Wissen der Welt aufsaugen will. Nicht das Kind hat den Wissensdurst verloren, der Lehrer hat dem Schüler den Wissenshunger ausgetrieben.

Wenn wir also kein Lehrer sein wollen, der dem Schüler das Lernen vermiest, dann sollten wir uns fragen, ob wir das richtige Lernkonzept anwenden. Stellen Sie sich einmal vor, ihr Chef sagt Ihnen, sie müssen nun diese 128 Seiten Versicherungsbedingungen auswendig lernen. Wie viele Menschen gibt es, die das als Freude betrachten können? Wenige und genau für diese wäre dieses Berufsfeld gedacht. Das was ich nicht mit ganzem Herzen, also mit vollkommener Freude tun kann, erledige ich stets mit einem gewissen Widerstand. Das Coyote Teaching versucht eine Lehrmethode zu sein, die beim Schüler keinen inneren Widerstand erzeugt.

Nur wenn es Spaß macht, bleibt es im Gehirn

Wenn wir gegen uns selbst lernen, wird jede Information, die wir aufnehmen von unserem Gehirn nun erst einmal in unseren Erinnerungsmülleimer geworfen und wir tun uns verdammt schwer damit, auch nur irgendetwas zu behalten. Wenn Sie also herausgehen und von der Natur lernen wollen, dann ist es wichtig, dass Sie dies mit Freude, kindlicher Neugierde, Wissensdurst, Begeisterung und Leidenschaft tun. Fühlen Sie sich nicht wie ein Schüler im Gesellschaftssystem, der für einen Vokabeltest pauken muss, sondern wie ein Detektiv, ein Forscher, ein Entdecker und ein Abenteurer. Werden Sie zum Fährtenleser des Lebens und entdecken Sie die Welt noch einmal mit ganz neuen Augen. Genau diese Art des Lernens ist die Kernessenz des Coyote-Teaching.

Was macht das Coyote-Teaching aus?

Die Hauptintention des Coyote-Teaching ist es, einen Raum für Spaß und Neugierde zu erschaffen, in dem man mit Freude lernen und seine Fähigkeiten entdecken, erforschen und weiterentwickeln kann. Dieser Raum ermöglicht es uns, alte Grenzen zu überschreiten, die uns bislang im engen, eingefahrenen Käfig des Verstandes festgehalten haben.

Als kleine Kinder lernen wir einige der komplexesten und schwierigsten Dinge unseres Lebens und dies völlig ohne jeden Druck. Wir lernen nicht bewusst, sondern beobachten unsere Mitmenschen und probieren das aus, was auch sie machen.

Plötzlich können wir mit unserem Kehlkopf, unserer Zunge, unseren Lippen und unseren Stimmbändern Laute, Worte und sogar ganze Sätze formen. Ist das nicht absolut erstaunlich?

Ohne dass man es uns beibringen muss, können wir unsere Arme und Beine so koordinieren, dass wir damit krabbeln können. Später lösen wir unsere Hände vom Boden und schaffen es, unseren gesamten Körper auf zwei kleinen Füßchen auszubalancieren, die gerade einmal wenige Zentimeter lang sind. Wie also kann es sein, dass wir als Kleinkinder diese enormen Lernleistungen bewerkstelligen können und uns später schwertun, auch nur ein Wort in einer neuen Sprache zu behalten?

Lernen mit kindlicher Begeisterung

Als Kinder gibt es keinerlei Verpflichtung für uns, sprechen oder laufen zu lernen. Alles ist Coyote Teaching. Unsere Eltern drängen uns nicht dazu, weil sie wissen, dass wir es ohnehin lernen werden. So können wir es spielerisch entdecken, haben keine Angst davor Fehler zu machen und haben alle Zeit, die wir brauchen.

Im Gesellschaftslernen ist das genau andersherum. Wir müssen eine gute Zensur schreiben. Wenn wir einen Fehler machen, werden wir sanktioniert. Immer wenn es ans Abfragen geht, werden wir nervös, weil wir versagen könnten. Das solch ein Lernen, zu Lustlosigkeit führt, versteht sich von alleine. Coyote Teaching, will hingegen, genau das Gegenteil erreichen.

Innere Absicht und Spielerische Freude

Als Kleinkind herrscht in uns ein großer Bedarf an Fähigkeiten, die wir erlernen sollten. Wir sehen wie sich die Erwachsenen frei im Raum bewegen und wie sie all die spannenden Dinge einfach nehmen können, ohne darauf hoffen zu müssen, dass ein Anderer ihnen hilft. Wir bekommen mit, wie sie sich verständigen und so ihre Bedürfnisse und Gefühle ausdrücken können, damit sie das bekommen, was sie brauchen. Dadurch entsteht in uns eine starke Absicht, ein sogenannter Wissenshunger, diese Fähigkeiten ebenfalls zu erlernen. Diese beiden Faktoren, spielerische Freude und innere Absicht, sind für ein effektives Lernen von elementarer Bedeutung. Wenn Sie also mit Hilfe des Coyote-Teachings lernen wollen, achten Sie darauf, dass Sie sich selbst einen Raum erschaffen, in dem diese beiden Faktoren vorhanden sind.

Was ist das Lernzonenmodel?

Um das zu veranschaulichen, gibt es ein sehr simples aber prägnantes Modell, das die unterschiedlichen Lernzonen beschreibt. Stellen Sie sich vor, Sie sind von drei verschiedenen Zonen umgeben.

Die Komfortzone

Die innerste Zone ist ihre Komfortzone in der Sie sich absolut sicher und heimisch fühlen. Alles, was in dieser Zone existiert, kennen Sie bereits. Es gibt keinerlei Risiken, keine Geheimnisse, keine offenen Fragen und keine ungelösten Rätsel. In dieser Zone können Sie nichts lernen, weil sie bereits alles wissen und können was es zu wissen und zu können gibt.

Die Lern- oder Risikozone

Die zweite Zone ist die Lern- oder auch Risikozone, die das größte Lern- und Wachstumspotential birgt. Sie bewegen sich hier auf unbekanntem Terrain, haben aber noch immer einen Sichtkontakt zu ihrer Komfortzone. Sie sind von Neugier und Forschergeist erfüllt und freuen sich über die verschiedenen Geheimnisse, die es hier zu entdecken gilt. Einiges kommt Ihnen bekannt vor und Sie können sich aufgrund Ihrer Vorerfahrungen einen Reim daraus machen. Anderes ist Ihnen fremd. Sie spüren ein leichtes Kribbeln der Spannung, weil Sie nicht sagen können, wohin Sie ihr Weg führt oder was als nächstes passiert. Doch Sie wissen genug, um die Risiken einschätzen zu können, so dass Sie nicht um ihr Leben fürchten müssen. Es ist hier nicht unbedingt bequem, sondern oftmals ungemütlich oder zumindest ungewohnt, so dass Sie Mittel und Wege finden müssen, um es sich hier heimisch zu machen. Dadurch entsteht in Ihnen automatisch die Absicht, Neues zu lernen, um sich auf die unbekannte Situation einzustellen und hier nach und nach ebenfalls heimisch zu werden. Auf diese Weise dehnen Sie Ihre Komfortzone aus und bald schon sind Sie bereit, noch einen Schritt in Richtung des Unbekannten zu gehen.

Die Panikzone

Hinter dieser Lernzone befindet sich die sogenannte Panikzone. Diese erreichen Sie, wenn Sie sich zu schnell zu weit ins Unbekannte hinauswagen. Nehmen wir einmal an, Sie haben bislang nur wenig Kontakt zur Natur gehabt und beginnen nun, die Wälder in Ihrer Umgebung zu erforschen. Diese sind für Sie Neuland, aber Sie wissen genug darüber, um stets wieder nach Hause zu finden, um nicht zu erfrieren und um sicher zu sein, dass Sie nicht von giftigen Tieren überrascht werden können. Hier befinden Sie sich also in Ihrer Lernzone. Lassen Sie sich hingegen ohne ein Vorwissen mitten im australischen Busch aussetzen, werden Sie wahrscheinlich mit der Situation sehr schnell überfordert sein. Dies ist Ihre Panikzone. In dieser Zone ist nun ebenfalls kein Lernen mehr möglich, da Ihr kompletter Organismus verkrampft. Sie können nicht mehr klar denken, können keine sinnvollen Entscheidungen mehr treffen und versuchen nur noch durch Flucht oder Starre aus der Situation zu entkommen.

Beim Coyote-Teaching geht es daher darum, sich so viel wie möglich in der Lernzone aufzuhalten und die Komfortzone so stetig zu erweitern. Irgendwann sind Sie dann vielleicht so weit, dass Sie sich wirklich im australischen Busch aussetzen lassen können und dies nur noch als eine spannende, aber risikoarme Herausforderung ansehen.

Sei wie eine Frage!

Das Hauptwerkzeug des Coyote-Teaching ist das Stellen von Fragen. In unserem Lernsystem gehen wir meist so vor, dass der Lehrer dem Schüler eine Antwort gibt, die dieser verstehen und auswendig lernen soll. Dies hat jedoch einen entscheidenden Nachteil. Denn jedes Wesen im Universum hat seine eigene persönliche Wahrheit, die es sich aufgrund seiner Wahrnehmung und seiner Vorerfahrungen bildet. Eine Antwort, die für einen Lehrer richtig ist, kann für seinen Schüler durchaus vollkommen falsch sein. Hinzu kommt, dass der Schüler die erhaltene Antwort nicht verinnerlicht, sondern nur als Information in sich aufnimmt. Sie führt nicht zu einer Erkenntnis, sondern bleibt eine nicht überprüfte Information, die jederzeit durch eine neue ersetzt werden kann. Es ist wie bei den unzähligen Ratgebern über Kindererziehung oder gesunde Ernährung. Sie geben dem Leser Informationen, die dieser abspeichert und beim Lesen des nächsten Artikels sofort wieder durch eine neue Information ersetzt. Meistens eine, die im kompletten Widerspruch zur ersten steht.

Die Kraft einer offenen Frage

Eine schnelle Antwort führt außerdem häufig dazu, dass das Interesse an einer Sache erlischt. Wenn Sie herausgehen und im Wald eine neue Pflanze oder einen unbekannten Schmetterling entdecken, dann werden Sie sich vielleicht fragen, um was für ein Wesen es sich dabei handelt. Diese offene Frage weckt Ihr Interesse und Sie beginnen damit, Nachforschungen anzustellen. Vielleicht kommen Sie nächstes Mal mit einem Bestimmungsbuch wieder, schauen sich die unterschiedlichen Details genauer an, machen Fotos oder eine Zeichnung, schauen dem Schmetterling beim Fliegen zu oder probieren ein kleines Stück von der Pflanze. Auf diese Weise lernen Sie die Persönlichkeit dieses Unbekannten kennen und machen sich immer mehr mit ihm vertraut.

Was aber passiert, wenn Sie die Frage direkt beantwortet bekommen? Angenommen, Sie sind nicht alleine, sondern in Begleitung eines Biologen unterwegs, stellen Ihre Frage laut und er antwortet unvermittelt: “Huflattich” oder “Admiral”, dann ist Ihr Wissensdurst damit befriedigt. Wahrscheinlich nicken Sie einmal anerkennend und sagen “Aha! Interessant!” und damit ist das Thema für Sie erledigt. Kurz darauf haben Sie den Namen dann wahrscheinlich wieder vergessen und vielleicht erinnern Sie sich bald nicht einmal mehr an die Begegnung selbst.

“Nur ein schlechter Lehrer droht mit der Antwort”

Aus diesen Gründen gilt es im Coyote-Teaching als eine Beleidigung, wenn ein Lehrer seinem Schüler mit einer Antwort droht. Niemand hat das Recht, einem anderen seine eigene, persönliche Wahrheit aufzudrängen. Alles, was ein Schüler im Coyote-Teaching lernt, lernt er aus sich selbst heraus, durch seine eigenen Erfahrungen, durch Ausprobieren, Nachahmen, Beobachten und Spiegeln sowie durch eigene Rückschlüsse, Geistesblitze, magische Begegnungen, Träume oder seine Intuition. Wenn ein Schüler seinem Mentor eine Frage stellt, dann bekommt er als Antwort niemals eine Aussage. Er bekommt entweder eine Geschichte, in der er die Antwort selbst finden kann oder er bekommt Gegenfragen, die ihn auf die richtige Spur führen.

Die drei Typen von Fragen

Meistens werden dabei drei unterschiedliche Fragen gestellt, um den Schüler in seine Lernzone zu führen. Die erste Frage kann der Schüler dabei stets leicht beantworten. Sie dient nur dazu, ihm noch einmal vor Augen zu führen, dass er bereits jetzt einiges an Wissen besitzt. Für die zweite Frage muss er sich bereits anstrengen und er kann sie nur noch beantworten, wenn er sich ganz an den Rand seines Wissensspektrums heranwagt. Um sie zu beantworten, muss er Rückschlüsse ziehen und sein vorhandenes Wissen neu kombinieren. Die dritte Frage schließlich kann er nicht mehr beantworten. Sie führt ihn auf den Pfad, auf dem er suchen muss, um seine eigene Lösung zu finden.

Die Magie der Frage

Dies ist die Kraft, die in den Fragen verborgen liegt. Sie eröffnen uns die Möglichkeit, uns selbst an eine Lösung heranzutasten und auf eigene Erkenntnisse zu stoßen. Durch die Fragen kommt man in eine Welt des Nichtwissens und des Schwebezustandes. Wir verlassen unseren Komfortbereich und geraten automatisch in die Lernzone. Unsere Kreativität wird angeregt und unser Forschergeist wird geweckt. Die offene Frage verursacht eine Art Vakuum zwischen der aktuellen Unwissenheit und der kommenden Erkenntnis. Dieses Vakuum zieht die Lösung ganz von selbst an, wenn wir ihm die Möglichkeit dazu geben. Leider fällt es uns oft nicht leicht, eine Frage offen im Raum stehenzulassen. Es quält uns, eine Antwort nicht zu wissen und so rennen wir schnellstmöglich zum nächsten Computer und schauen, was Google und Wikipedia zu diesem Thema zu sagen haben. Eine offene Frage stehenzulassen bedarf Geduld, Gelassenheit und das Vertrauen, dass sich die Zusammenhänge zu gegebener Zeit erschließen werden.

Gefährliches Halbwissen oder wahre Erkenntnis

Wenn wir zu schnell nach zu einfachen Lösungen suchen, verbauen wir uns damit den Weg zu einer wahren Erkenntnis. Anstatt einer eigenen Erfahrung und einer tiefen Gewissheit bekommen wir nun ein ungeprüftes Halbwissen, das uns voreingenommen macht und uns möglicherweise für weitere Lernschritte blockiert. Lernen wir jedoch rein auf der Basis von eigenen Erkenntnissen, können wir dieses gefährliche Halbwissen umgehen und vermeiden.

Durch die Kunst, die richtigen Fragen zu stellen erhalten wir nach und nach ein Gefühl für das Wesen der Schöpfung und dafür, wie alles miteinander verbunden ist.

Die ganze Welt als Mentor

Der große Vorteil am Coyote-Teaching ist, dass Sie für diese Art des Lernens nicht unbedingt einen Mentor in Form eines Menschen brauchen. Alles und jeder kann zu Ihrem Mentor werden, angefangen bei Ihnen selbst über Tiere, Pflanzen, Steine, Bäume, Kinder, Vögel und vieles mehr. Es spielt keine Rolle, ob Sie die Fragen von jemand anderem gestellt bekommen, ob Sie sich die Fragen selber stellen oder ob Sie einfach in Ihnen auftauchen ohne das Sie wissen warum. Mit der Zeit werden Sie merken, dass Sie immer wieder Fragen vom Wald und von der Natur selbst, von den Tieren, den Pflanzen, dem Wetter, den Ahnen, den Hütern und ihrem eigenen höheren Selbst erhalten werden. Dabei werden Sie nicht nur mehr über das Außen erfahren, sondern auch immer tiefer zu den Geheimnissen in Ihrem eigenen Inneren vordringen.

Das Stellen der Fragen wird Sie nachdenklich machen und dazu führen, dass sie sich immer mehr selbst erkennen und weiterentwickeln. Allein das Fragenstellen bringt Sie bereits in eine andere Aufmerksamkeit, einen anderen Fokus und eine andere Grundstimmung. Öffnen Sie sich für die Antworten und stellen Sie die Fragen sowohl nach innen an Ihr eigenes Unterbewusstsein, Ihre Intuition und Ihr göttliches Selbst,  als auch nach außen an den Wald, die Bäume, die Natur, die Tiere, die Erde, das Universum, die Ahnen und was immer Ihnen sinnvoll erscheint.

Offen für Antworten sein

Die Antworten werden von unterschiedlichsten Seiten und zu unterschiedlichsten Zeitpunkten zu Ihnen kommen. Einige werden Ihnen sofort gegeben, andere nach wenigen Stunden, Tagen oder Wochen und wieder andere erst nach Jahren oder Jahrzehnten. Vertrauen Sie darauf, dass die Antworten dann kommen, wenn es an der Zeit dafür ist und bleiben Sie offen und aufmerksam dafür. Machen Sie sich bewusst, dass Sie viele Teilantworten bereits haben und dass Sie nur die Zusammenhänge noch nicht erfassen können. Freuen Sie sich über jedes neue Puzzleteil, dass Ihre Erkenntnis vervollständigt. Wichtig ist, dass Sie den Mut haben, sich einzugestehen, dass Sie vieles noch nicht wissen und dass Sie gleichzeitig bereit sind, geduldig und gelassen auf die Antworten zu warten.

Antworten sind überall

Viele Zeichen sind subtil und unauffällig und oftmals finden wir Sie dort, wo wir Sie nicht vermuten. Es kam vor, dass wir stundenlang an einem Baum meditiert haben, ohne auf eine Erkenntnis zu kommen und die Lösung dann am Abend als Nebensatz in einem Film aufschnappten. Vielleicht kommt Ihnen die Antwort eines Tages als Geistesblitz von ganz allein. Vielleicht beobachten Sie etwas in der Natur, sehen einer Ameise oder einem Vogel zu, der Sie auf die entscheidende Idee bringt. Oder Sie hören sie in einem Lied, schlagen sie zufällig in einem Buch oder sogar in einem Comic nach. Möglicherweise fällt Ihnen in einem Gespräch mit Ihrer Oma etwas ein oder Sie haben eine magische Begegnung mit einem Unbekannten.

Viele Menschen erlangen Ihre Erkenntnisse auf dem Klo, andere finden Sie in Träumen, in der Meditation oder versteckt in der Zeile eines Liedes. Die Möglichkeiten sind unendlich. Sie müssen nur aufmerksam und offen sein. Wenn wir unserer Neugierde folgen führt Sie uns an Orte, die wir nie zuvor gesehen haben und bringt uns mit Menschen, Tieren und Pflanzen in Kontakt, von denen wir bislang nicht einmal wussten, dass sie existieren. Und dann plötzlich ist das Rätsel gelöst und ein neues darf entstehen. Denn mit jeder Antwort, die Sie erhalten, werden neue Fragen auf Sie zukommen, die sie immer weiter in das die mystische Welt des Lebens führen. Ihre Komfortzone wird sich so immer weiter ausdehnen und sie werden immer tiefer hinter das Geheimnis des Universums kommen.

Die drei zentralen Grundfragen

Besonders hilfreich sind dabei drei zentrale Fragen, die Sie sich in jeder neuen Situation immer wieder stellen können:

Was nehme ich wahr?

Sammeln Sie mit dieser Frage so viele Informationen wie möglich. Betrachten Sie nicht nur das Tier, die Pflanze, den Menschen oder das Objekt um das es Ihnen geht, sondern immer auch die Umgebung, das Wetter, die Grundstimmung im Außen sowie Ihre eigene Grundstimmung und Ihr eigenes Bauchgefühl.

Wie steht das alles im Zusammenhang?

Verknüpfen Sie die gewonnenen Informationen miteinander und schauen Sie auf die Verbindungen und die Art und Weise, wie die Dinge in Beziehung zueinanderstehen. Scheuen Sie sich nicht davor, zunächst einmal wilde Theorien aufzustellen, die Sie dann wieder über den Haufen werfen und durch neue ersetzen. Bleiben Sie aber offen und halten Sie sich an keiner Ihrer Geschichten fest.

Was lerne ich daraus?

Stellen Sie die Beobachtungen in einen Bezug zu sich selbst und fragen Sie sich, was das alles mit Ihnen zu tun hat. Lassen Sie auch hier Ihrer Kreativität freien Lauf, bleiben Sie aber stets offen und flexibel.

Stalking Wolf sagte stets: “Wo immer du hingehst, gehe mit einer Frage! Denn wenn du keine Frage stellst, wie soll das Universum wissen, welche Antwort du benötigst?” Wenn Sie die wichtigsten Antworten finden wollen, dann müssen Sie stets auch die wichtigsten Fragen stellen.

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