Wildes Wissen: Wie kann man den Feldhasen verstehen lernen, um ihn zu bejagen?

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Der Feldhase (Lepus europaeus), der zusammen mit dem Schneehasen und dem Wildkaninchen zur Ordnung der Hasenartigen (Lagomorpha) gehört, ist ein faszinierendes Wildtier, das es zu verstehen gilt, um eine nachhaltige und respektvolle Bejagung zu gewährleisten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Merkmale, Lebensweise und Herausforderungen des Feldhasen in Deutschland.
Steckbrief des Feldhasen
Wissenschaftlicher Name: Lepus europaeus
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Gewicht:
• Männchen (♂︎) bis 5,5 kg
• Weibchen (♀︎) bis 4,8 kg
Kopf-Rumpf-Länge: Bis 68 cm
Rammelzeit: Januar bis Juli
Lautäußerungen: Klagen
Nahrung: Intermediärtyp
Zahnformel: 2 0 3 3 / 1 0 2 3 = 28
Sinne:
• Sehr gutes Seh- und Hörvermögen
• Vibrissen im Gesicht
• Guter Geruchssinn
• Wahrnehmung von Erschütterungen
Verbreitung: Europa, Südamerika, Australien, Ost-Asien
Krankheiten: Coccidiose, Pseudotuberkulose, EBHS (European Brown Hare Syndrome), Pasteurellose, Tularämie
Lebensraum und Verhalten
Der Feldhase ist ein charakteristischer Bewohner offener Landschaften. Er bevorzugt Ackerflächen, Wiesen und Waldränder, wo er Schutz und Nahrung findet. Anders als das Kaninchen, das in Bauten lebt, gräbt der Feldhase keine Höhlen. Stattdessen scharrt er sich eine flache Mulde, die sogenannte Sasse, in der er gedrückt und aufmerksam liegt. Diese Lebensweise macht ihn besonders schwer zu entdecken, da er hervorragend getarnt ist.
Sinne und Wahrnehmung
Der Feldhase verfügt über ein ausgezeichnetes Sehvermögen mit einem nahezu vollständigen Rundumblick von 365 Grad. Dieses breite Sichtfeld ermöglicht es ihm, potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen. Sein Gehör ist ebenfalls sehr gut entwickelt, was ihm hilft, Fressfeinde frühzeitig zu bemerken. Zusätzlich besitzt der Hase Vibrissen im Gesicht, die als Tastorgane fungieren, und einen feinen Geruchssinn. In seiner Sasse kann der Feldhase selbst minimale Erschütterungen wahrnehmen, was ihm einen entscheidenden Vorteil bei der Flucht vor Feinden verschafft.
Ernährung und Caecotrophie
Der Feldhase gehört zum Intermediärtyp und ernährt sich rein pflanzlich. Seine Nahrung besteht aus einer Mischung leicht verdaulicher, nährstoffreicher Pflanzenteile und schwer verdaulicher faserhaltiger Pflanzenteile. Eine bemerkenswerte Besonderheit seiner Ernährungsweise ist die Caecotrophie. Hierbei handelt es sich um die Aufnahme von Blinddarmkot. Der Feldhase scheidet zwei verschiedene Arten von Kot aus:
1 Normaler Kot: Dieser wird während der Äsungsphasen ausgeschieden und besteht aus trockenen, dunklen Kugeln, die keine verwertbaren Nahrungsreste mehr enthalten.
2 Blinddarmkot: Dieser weiche, in Schleim gehüllte Kot wird in den Ruhephasen ausgeschieden. Der Hase nimmt diesen Kot sofort wieder auf, schluckt ihn unzerkaut und lässt ihn im Magen weiter fermentieren. Dadurch kann er hochwertige Vitamine und wichtige Bakterien gewinnen und einen größeren Teil der schwer verdaulichen Pflanzenfasern nutzbar machen.
Die Caecotrophie ist somit ein essenzieller Bestandteil der Nahrungsstrategie des Hasen und trägt maßgeblich zu seiner Nährstoffversorgung bei.
Fortpflanzung und Aufzucht
Die Paarungszeit des Feldhasen, auch Rammelzeit genannt, erstreckt sich von Januar bis Juli. In dieser Zeit bemühen sich mehrere Rammler um eine Häsin, was häufig zu intensiven Verfolgungsjagden und Boxkämpfen zwischen den Männchen führt. Diese Rammelkämpfe dienen nicht nur der Paarung, sondern auch der Etablierung von Hierarchien unter den Rammlern.
Nach der Paarung bringt die Häsin im Laufe des Jahres 3 bis 4 Würfe (Sätze) zur Welt, wobei jeder Wurf durchschnittlich 3 Junghasen umfasst. Die Tragzeit beträgt etwa 42 Tage. In guten Revieren kann jedoch nur mit einem nutzbaren Zuwachs von bis zu 2 Junghasen pro Häsin gerechnet werden, da viele Jungtiere der Witterung oder Fressfeinden zum Opfer fallen.
Die Junghasen werden von der Mutter nicht geführt. Stattdessen liegen sie getrennt voneinander gedrückt am Boden, um Energie zu sparen und nicht entdeckt zu werden. Die Häsin säugt ihre Jungen nur einmal am Tag, meist am Abend oder in der Nacht. Mit etwa 9 Monaten sind die Junghasen ausgewachsen und selbstständig.
Sozialverhalten
Feldhasen sind Einzelgänger und leben nicht in Gruppen. Während der Rammelzeit bilden sich zwar Paare, diese bleiben jedoch nur für die Dauer eines Jahres zusammen. Der Rammler beteiligt sich nicht an der Aufzucht der Jungen. Dieses solitäre Verhalten hilft den Hasen, sich besser vor Fressfeinden zu schützen, da eine größere Ansammlung von Tieren leichter entdeckt werden könnte.
Fressfeinde und Bedrohungen
Zu den natürlichen Fressfeinden des Feldhasen zählen der Fuchs, Marder und Habicht. Auch wilde Katzen und die Aaskrähe stellen eine Gefahr, insbesondere für Junghasen, dar. Neben natürlichen Feinden sind auch menschliche Aktivitäten eine Bedrohung für den Feldhasen. Der Verlust von Lebensräumen durch intensive Landwirtschaft, Urbanisierung und Straßenbau trägt erheblich zum Rückgang der Hasenpopulationen bei. Zudem können Krankheiten wie Coccidiose, Pseudotuberkulose, EBHS, Pasteurellose und Tularämie den Bestand gefährden.
Jagd und Management
Die Jagd auf Feldhasen erfordert ein tiefes Verständnis ihrer Lebensweise und Verhaltensmuster. Jagdstrategien müssen sorgfältig geplant und durchgeführt werden, um den Feldhasenbestand nicht weiter zu gefährden. Nachhaltige Jagdpraktiken beinhalten die Berücksichtigung der Rammel- und Setzzeit, um die Population nicht während der Fortpflanzungsperioden zu dezimieren. Zudem sollten Lebensräume erhalten und gefördert werden, um den Feldhasen ausreichende Nahrung und Schutz zu bieten.
Fazit
Der Feldhase ist ein faszinierendes und anpassungsfähiges Wildtier, dessen Bestand in Deutschland durch verschiedene Faktoren bedroht ist. Ein tiefes Verständnis seiner Biologie und Verhaltensweise ist entscheidend für die nachhaltige Bejagung und den Schutz dieser Art. Jagdpraktiken sollten stets im Einklang mit dem Naturschutz stehen, um die Populationen zu erhalten und die Artenvielfalt in unseren Landschaften zu sichern.


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