Wie entstehen Krankheiten aus der Sicht der Schamanen?
In der Natur ist stets alles auf ein Gleichgewicht ausgerichtet. Alles befindet sich in einer harmonischen Ballance und alles trägt seinen Teil zum großen Gemeinwesen bei. Wenn wir nun einen Schritt zurück treten und uns alles im Zusammenhang ansehen, dann erkennen wir, dass alles letztlich eins ist. Die Welt, so wie wir sie sehen ist nicht mehr oder weniger als eine sichtbar gewordene Form des Gottbewusstseins. Alles besteht letztlich aus der gleichen Energie, aus bedingungsloser Liebe und alles ist Gott. Die Welt ist also ähnlich wie ein Traum. Wenn wir schlafen, sehen wir in unserem Kopf die Bilder von Orten, Menschen, Tieren und Pflanzen. Wir agieren mit ihnen, treten in Interaktion, erleben verschiedenste Situationen und halten in diesem Moment alles für real. Doch alles, was wir in diesem Traum Erleben, jeder Ort, den wir besuchen und jedes Wesen dem wir begegnen, ist letztlich nur ein Teil von uns. Es ist unser Unterbewusstsein, das den Traum erzeugt und somit sind wir zwangsläufig auch jeder Mensch im Traum, egal wie fremd er uns erscheinen mag. Wir sind auch jeder Grashalm, jeder Stein, jeder Wassertropfen, jedes Feuer und jeder Marienkäfer. Alles was wir im Traum erleben können sind wir selbst. Es ist eine erlebbare Form unseres eigenen Bewusstseins. Nicht anders verhält es sich auch mit der materiellen Welt, die wir am Tag erleben. Wir nehmen sie aus einer persönlichen Perspektive war, so wie auch unseren Traum, doch dies ändert nichts daran, dass wir alles und jeder sind, der uns in unserem Leben begegnet.
Dies zu erkennen bedeutet, dass wir erkennen, dass wir selbst Gott sind. Wir sind der Schöpfer und die Schöpfung. Wir sind ein Teil des universellen Bewusstseins. Die meisten von uns haben dieses Bewusstsein jedoch verloren. Wir wissen also nicht mehr, dass wir Gott sind, wir spüren die Verbindung zu allem anderen nicht mehr, halten uns für ein getrenntes, unabhängiges, einsames Wesen und glauben, dass uns sowohl gute als auch schlechte Dinge widerfahren können. Diese Entfernung von unserem Gottbewusstsein führt dazu, dass wir auf unterschiedlichsten Wegen aus dem natürlichen Gleichgewicht geraten können. Wir verlieren unsere Mitte, unsere Zentriertheit und erfahren so die verschiedensten Höhen und Tiefen in unserem Leben. Seelisch spüren wir diese Berg- und Talfahrt in Form von Glücks und Leid, geistig und emotional spüren wir es in Form unserer Stimmungen und auf der körperlichen Ebene bekommen wir unse Ungleichgewicht als Krankheit gespiegelt. Je nachdem, für welche Ebene wir besonders empfänglich sind, können wir unterschiedlich auf die gleiche Disharmonie reagieren. Die einen werden oft oder intensiv körperlich krank und spüren dafür auf der seelischen und emotionalen relativ wenig. Andere bleiben körperlich fit, leiden jedoch unter Depressionen oder Stimmungsschwankungen. Wieder andere spüren ohne den Umweg über Krankheit oder Depression direkt den Schmerz in ihrer Seele, darüber, dass sie nicht das Leben leben, das für sie vorgesehen ist. Vielleicht spüren sie es als tiefe Sehnsucht oder als Gefühl der Leere, vielleicht auch als ein Verlangen nach irgendetwas, was sie jedoch nicht genauer definieren können. Und dieses Verlangen zu befriedigen driften sie dann häufig in eine Sucht oder sogar mehrere Süchte ab, durch die sie sich eine Ersatzbefriedigung verschaffen wollen. Da wir Menschen jedoch eine Einheit aus Körper, Geist und Seele sind, treten die Symptome niemals nur auf einer Ebene auf. Jeder Mensch hat andere Schwerpunkte und es gibt Ebenen, auf denen er besonders Sensibel ist. Dennoch sind immer auch alle anderen Ebenen in einem bestimmten Maß mitbetroffen.
Weder die unangenehmen Gefühle, noch die Krankheiten oder die Seelenkonflikte sind dabei etwas Schlechtes oder Negatives. Sie sind lediglich Reaktionen auf unser inneres Ungleichgewicht und damit gleichzeitig auch Wegweiser oder sogar Wegbegleiter, die uns in unser Gleichgewicht und unser Gottbewusstsein zurück führen.
Wie aber sehen diese unterschiedlichen Wege nun im Detail aus, die uns aus dem Gleichgewicht bringen und Krankheitssymptome in uns auslösen?
Gotteskonflikte
Die Kernursache für die Entstehung von Krankheiten ist das Vergessen unseres Gottbewusstseins selbst. Jedes Wesen, dass sich seiner Göttlichkeit bewusst ist, lebt im absoluten Urvertrauen, da es weiß, dass nichts geschehen kann, das nicht seinem Wohl als Gott dient. Am deutlichsten wird dies, wenn wir uns noch einmal die Träume genauer anschauen. Nehmen wir einmal an, wir träumen, dass wir gemeinsam mit unserem Freund Peter durch die Stadt gehen. Plötzlich geraten wir in einen Überfall und nach einigen Drohungen wird Peter von einem Gangster erschossen. Wenn wir davon ausgehen, dass Peter ein reales Wesen war, dessen Leben nun beendet wird, dann empfinden wir die Situation vielleicht als traurig. Doch Peter war nur eine Illusion, ein Teil unseres eigenen Bewusstseins. Innerhalb des Traumes wirkte die Situation gefährlich, doch wenn wir aufwachen, werden wir feststellen, dass es sich dabei lediglich um die Aufarbeitung unserer unverarbeiteten Gefühle handelte. Die Situation im Traum diente also der Bereinigung unseres Unterbewusstseins. Sowohl Peter als auch die Gangster waren dazu wichtig und leisteten ihren Beitrag. Wenn sich alle drei bewusst darüber waren, dass sie nur Illusionen in unserem Traum waren, dann gab es für sie zu keinem Zeitpunkt einen Grund, beängstigt oder besorgt zu sein. Peter ist nicht gestorben, weil Peter nie existiert hat und somit brauchte er den Tod auch nie zu fürchten. Genauso verhält es sich auch in unserer Welt. Jede Situation die im Universum entstehen kann, dient der Bewusstseinserweiterung des göttlichen Ganzen. Alles dient also im Grunde der Ausdehnung der Liebe. Wenn uns dies bewusst ist, leben wir im absoluten Urvertrauen und damit auch im Gleichgewicht, so dass wir keine Krankheiten benötigen. Ist uns dies jedoch nicht bewusst, dann setzt die Natur in Form unseres eigenen höheren Selbst alles daran, uns unsere Göttlichkeit bewusst zu machen. Die Krankheiten, die wir bekommen führen uns also stets wieder näher an unser Gottbewusstsein heran. Vorausgesetzt natürlich, dass wir ihre Botschaft verstehen und begreifen können.
Wenn wir im Urvertrauen und in der bedingungslosen Liebe leben, dann stehen wir auch in einem direkten Kontakt mit unserer inneren Stimme und unserer Intuition. Wir wissen also genau, was unsere Aufgabe im Leben ist und wohin uns unser Lebensweg führt. Ohne diese Verbindung kommen wir jedoch immer wieder von unserem Lebensweg ab und irren ziellos im Wald des Lebens umher. Anstatt auf den Lebensfluss zu vertrauen und uns von ihm treiben zu lassen, kämpfen wir gegen ihn an und versuchen auf eine Art und Weise zu leben, die nichts mit unserem Selbst und unserer Lebensaufgabe zu tun hat. Dadurch bewegen wir uns auf der seelischen Ebene aus dem Gleichgewicht, weil wir nicht mehr das Leben leben, das eigentlich zu uns gehört. Die Krankheiten, die wir aus diesem Grund bekommen, dienen also dazu, uns wieder in unseren Lebensfluss zurückzuführen und uns unserer Lebensaufgabe näher zu bringen. Die Fragen, die wir uns in Verbindung mit jeder Krankheit also stellen sollten lauten: „Stehe ich da wo ich stehen soll?“ und „Bin ich der, der ich wirklich bin?“
Lebe ich das Leben, das ich von meiner Seele und meinem Herzen aus wirklich leben will? Tue ich das, was mein Herz mir sagt oder handele ich nur aus dem Verstand und aus einem Gefühl von Pflicht, Schuld, Zwang oder Angst heraus? Vertraue ich auf das Leben, oder macht es mir Angst? Lebe ich im Urvertrauen? Bin ich mir bewusst, dass ich Gott bin?
Wenn dies nicht der Fall ist und wir uns nicht im vollkommenen Urvertrauen befinden, öffnen wir uns damit für eine ganze Reihe unterschiedlicher Krankheitsboten und -bringer, die uns alle auf ihre Art zum Gottbewusstsein und ins Urvertrauen zurückbringen wollen.
Konfliktsysteme
Jedes Wesen lebt normalerweise in einer entspannten, harmonischen und ruhigen Grundstimmung, einer sogenannten Baseline. Die Atmung geht ruhig und gleichmäßig, das Herz schlägt einen langsamen, harmonischen Tackt, das Blut fließt selbstständig durch den Körper, die Muskeln sind entkrampft und locker und bauen nur die Spannung auf, die der Körper für die aufrechte Haltung und die Bewegung benötigt. Alle Stoffwechselprozesse laufen in einem ruhigen, konstanten Tempo ab, so dass die einzelnen Organe weder über- noch unterfordert werden und sich in regelmäßigen Abständen regennerieren können. Die Stimmung, die in diesem Zustand auf der seelischen und emotionalen Ebene vorherrscht, ist eine vertrauensvolle, entspannte Glückseligkeit. Die Sinne sind geöffnet und aufnahmefähig, so dass alle Zeichen und Signale in der Umgebung wahrgenommen werden können. Anders als wir gemeinhing glauben, benötigen wir unser Herz in dieser Baseline nicht als Pumpe, die unser Blut in Bewegung hält. Es fließt von ganz alleine durch unsere Adern und das Herz dient lediglich als ein Taktgeber. Es harmonisiert den Blutfluss, so dass es in einer gleichmäßigen, konstanten Geschwindigkeit durch unseren Körper strömen kann. Man könnte es also in etwa mit einem Trommler vergleichen, der auf einem Ruderboot sitzt und durch seinen Takt dafür sorgt, dass sich aller Ruderer im gleichen Rhythmus bewegen. Genau wie der Trommler auf dem Boot ist unser Herz jedoch nicht dafür zuständig, die einzelnen Ruderer anzutreiben und durch seine eigene Muskelkraft die Arme und Paddel der anderen zu bewegen. Dies machen sie von alleine. Und genau so fließt auch unser Blut selbstständig in dem Takt, den das Herz vorgibt.
Wenn Sie nun noch einmal ihr eigenes Leben Revue passieren lassen, dann werden Sie vielleicht feststellen, dass es nur relativ wenige und kurze Momente gab, in denen Sie sich wirklich in dieser harmonischen Baseline befunden haben. Wie aber kann das kommen, wenn dieser Zustand doch eigentlich unser Naturzustand ist? Um das zu verstehen, muss man zunächst einmal erkennen, wie sehr wir uns von unserer eigenen Natur und damit auch von einem artgerechten, harmonischen und gesunden Leben entfernt haben.
In der Natur gibt es nur zwei unterschiedliche Gründe, aus denen ein Tier den entspannten Grundzustand der Baseline verlässt. Der erste ist eine freie Entscheidung, die das Wesen selber trifft, weil es eine innere Motivation dafür verspürt. Ein Löwe entdeckt eine Gazelle, entscheidet sich dafür, dass er sie jagen will und beginnt einen spontanen Sprint. Sein Körper wechselt nun aus seinem entspannten Grundrhythmus in den Laufmodus. Das Blut fließt schneller, seine Atmung wird tiefer und stärker und seine Muskeln werden verstärkt mit Sauerstoff versorgt, damit ihm die Höstleistung möglich ist, die er nun erbringen muss. Da der Löwe die Entscheidung zu sprinten bewusst selbst getroffen hat, kann er diesen Zustand auch jederzeit wieder beenden. Entweder er fängt die Gazelle oder er entscheidet, das sich die Anstrengung nicht länger lohnt und bricht seine Jagd ab. Nun wechselt der Körper wieder in den Grundrhythmus zurück. Sein Atem und sein Herzschlag beruhigen sich wieder und er kommt in die gleiche Entspannung wie zuvor. Jedenfalls fast, denn eine Sache hat sich in seinem Organismus durch diese Jagdentscheidung verändert. Der Körper hat nun erfahren, dass er auf diese Weise gefordert werden kann und merkt sich das Erlebnis. Dabei kalibriert er sich neu, um in Zukunft noch besser auf ähnliche Anforderungen vorbereitet zu sein. Die Muskeln werden etwas stärker und schneller, das Herz kräftiger und die Lunge etwas leistungsfähiger. Das gleiche passiert bei allen Tieren und Menschen, die sich aus irgendeinem Grund bewusst dafür entscheiden, für einge begrenzte Zeit aus ihrem Ruhemodus in einen aktiven Powermodus zu wechseln. Die Gründe für diese Entscheidung sind meist entweder Jagd, Sex, Sport oder einfach Spaß an der Bewegung. So wie beim Beispiel des Löwen gehen auch alle anderen Wesen aus der Anstrengungssituation gestärkt hervor. Die Organe und Körperregionen, die für die Aktion besonders benötigt wurden, werden vom Körper für zukünftige Inanspruchnahme besser vorbereitet und verstärkt. Dies ist der Grund warum wir unseren Körper durch Training stärken und kräftigen können. Ein Training auf irgendeinem Gebiet versetzt unseren Körper für eine kuze Zeit aus der Baseline bewusst in eine Aktivphase, so dass unsere Organe stärker gefordert werden. Nach dem Training kehren Sie in ihre Baseline zurück, behalten jedoch einen Teil ihrer Leistungssteigerung bei, so dass sie zukünftig für ähnliche Situationen besser vorbereitet sind.
Der andere natürliche Weg, aus der Baseline in einen sochen Aktivzustand zu geraten ist der indirekte. In diesem Fall entscheidet sich das Tier nicht aktiv für das Verlassen der Baseline, sondern reagiert auf einen Impuls von Außen. Dies geschieht immer dann, wenn eine irgendwie geartete Gefahrensituation auftritt. Rein körperlich unterscheidet sich dieser Weg nur wenig von dem selbst gewählten. Auch hier steigert der Körper die Leistungsfähigkeit in dem Bereich, der für die Lösung der Situation erforderlich ist. Auf der geistigen und emotionalen Ebene gibt es hingegen gewaltige Unterschiede. Nicht die innere Entscheidung treibt den Körper zur Höchstleistung an, sondern ein von außen gegebener Impuls, der als Gefahr wahrgenommen wird. Dadurch schaltet der gesammte Organismus auf Alarmbereitschaft und beginnt ein biologisches Sonderprogramm, dass es ihm ermöglicht, optimal auf die Gefahrensituation zu reagieren. Dieses Sonderprogramm wird jedoch vom Unterbewusstsein gesteuert und gleicht einer Art Autopilot. Bewusst hat das Wesen also keinen Einfluss darauf und kann es weder verändern noch beenden. Erst wenn ein weiterer Impuls kommt, der vom Unterbewusstsein als Entwarnung aufgefasst wird, beendet sich das Programm von ganz alleine. Derartige Gefahrensituationen, die ein automatisches Sonderprogramm auslösen, können alles sein, was aus irgendeinem Grund das Leben des Wesens beeinträchtigt. Vielleicht taucht ein Fressfeind auf und man läuft in Gefahr, erjagt, getötet und verspeist zu werden. Oder ein Rivale versucht einem das Revier bzw. den Partner streitig zu machen. Eine Nahrungsknappheit verhindert, dass man ausreichend zu essen findet, man hat eine aufkommende Gefahr nicht gewittert, man bekommt einen Brocken vorgesetzt, mit dem man nicht umgehen kann und dergleichen mehr. Die jeweiligen Sonderprogramme sind dabei immer genau auf die Anforderungen ausgelegt, die die Lösung der Situation erfordert. Wenn eine spontane Flucht erforderlich ist, schlägt das Herz schneller und die Lunge steigert ihre Leistung um den Muskeln mehr Kraft und Ausdauer zu verschaffen. Registriert der Körper eine Dürrephase, steigert die Leber ihre Leistungsfähigkeit, um noch mehr Nährstoffe aus der wenigen Nahrung auszulösen und diese optimal zu nutzen. Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass der Betroffene das Programm nicht selbstständig beenden kann. In jedem Fall bleibt es im Körper automatisch so lange aktiv, bis die Gefahrensituation vorrüber ist. Erst dann, kehrt der Organismus in die Baseline zurück. Eine Maus, die eine Katze gesehen hat und vor ihr flüchtet, kann also nicht auf halber Strecke entscheiden, dass sie die Flucht nun beenden und erst einmal an einer Nuss knabbern will. Ihr Körper bleibt in Alarmbereitschaft und im Ausnahmezustand, bis er von außen das Signal bekommt, dass die Gerahrensituation vorüber ist. Dies kann dann der Fall sein, wenn die Maus ihren Bau erreicht hat oder aber wenn die Katze jemand anderen gefressen und sich mit ihrer Beute aus dem Staub gemacht hat.
Unabhängig davon, um welche Gefahrensituation es geht und welches Sonderprogramm dadurch ausgelöst wird, handelt es sich bei all diesen Ausnahmesituationen in der Natur stets um eine kurzfristige Angelegenheit, die sehr schnell wieder aufgelöst wird. Wenn eine Maus einer Katze gegenüber steht, dann schafft sie es entweder in ihren Bau zu flüchten oder sie wird gefressen. Wenn zwei Rivalen aufeinander treffen, dann gibt es einen kurzen Kampf und anschließend ist sofort entschieden, wer das Revier oder den Geschlechtspartner bekommt. Eine Dürrezeit dauert vielleicht etwas länger doch spätestens nach einigen Wochen entscheidet sich, ob man dem Hunger zum Opfer fällt oder ob man die Dürrezeit übersteht und neue Nahrung erhält. Der Konflikt wird also immer zeitnah auf die eine oder andere Weise gelöst und man kehrt stets in seine Baseline zurück. Die Leber fährt ihre Arbeit auf den normalen Level zurück, das Herz schlägt wieder den Ruhetackt an, die Lunge arbeitet wieder entspannt und so weiter. Das einzige, was sich ändert ist, dass der Körper die erlebte Situation als Erinnerung abspeichert und sich nun merkt, dass derartige Situationen vorkommen können. Genau wie bei den bewusst gewählten Aktionsprogrammen, kommt es also auch hier zu einer Neukalibrierung des Körpers, durch die er zukünftig noch besser auf ähnliche Gefahrensituationen reagieren kann und durch die er das Risiko eines tödlichen Ausganges vermindert. Alle betroffenen Organe und Körperregionen fahren ihre Leistungsfähigkeit also nicht ganz auf die Ausgangslage zurück, sondern werden etwas verstärkt und kräftiger.
Bevor wir uns nun aber anschauen, wie diese Sonderprogramme beim Menschen aussehen, gibt es noch eine wichtige Sache, die man verstanden haben muss. Der Organismus reagiert mit einem biologischen Sonderprogramm auf alles, was er als einen Gefahrenimpulz wahrnimmt. Das bedeutet, dass es keine Rolle spielt, ob diese Gefahr tatsächlich existiert oder nicht. Entscheidend ist, dass eine bestimmte Wahrnehmung der Außenwelt vom eigenen Bewusstsein als eine Bedrohung interpretiert wird. Eine Maus, die ein Knacken auf dem Waldboden hört und dies für eine herannahende Katze hält, wird ihr Sonderprogramm “Flucht” aktivieren und in ihrem Bau türmen. Das geschieht auch dann, wenn das Knacken von etwas ganz harmlosen verursacht wurde und überhaupt keine Katze in der Nähe ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Impuls, der den Ausnahmezustand wieder beendet. Wenn die Maus ihre Höhle erreicht, interpretiert sie dies als sicheren Bereich und fährt in ihren Ruhemodus zurück, egal ob es hier wirklich sicher ist oder nicht. Entscheidend ist also nicht, ob die Sicherheit oder die Gefahr real ist, sondern nur ob der Betroffene sie für real hält.
Fassen wir also noch einmal zusammen:
In der Natur beziehen sich die Konfliktsituationen immer direkt auf das Leben und dauern nur einen kurzen Moment an, bevor sie wieder aufgelöst werden. Die Tiere reagieren dabei intuitiv auf die entsprechende Situation. Ihre Sinne übermitteln ihnen einen Reiz, der Gefahr signalisiert und ihr Instinkt sagt ihnen, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen. Die Situation wird von ihnen aber weder bewertet noch interpretiert. Es ist eine reine Schlagabfolge von Aktion und Reaktion. Katze bedeutet Flucht, wenn ich eine Maus bin. Ein zweites Männchen in meinem Revier bedeutet Kampf um meine Jagdgründe oder meine Weibchen zu verteidigen. Keine Maus denkt jedoch zunächst nach, was sie von der Situation halten soll, verflucht ihren Tag für die ständigen Unannehmlichkeiten und fragt sich, warum ausgerechnet ihr immer all diese Fressfeinde begegnen müssen. Sie gerät auch nicht in Angst oder Panik, weil sie ihren eigenen Tod bereits vor Augen sieht und fürchtet, bald ihr Leben ausgehaucht zu habe. Kein Alphamännchen zweifelt erst einmal seine eigenen Fähigkeiten an, bekommt Lampenfieber, fragt sich, ob er im Kampf wohl auch eine gute Figur macht, wenn sein ganzer Rudel zuschaut oder hat Angst davor, den Eindringling zu verletzen, der ja vielleicht auch Frauen und Kinder hat. Nein, die Reaktionen geschehen instinktiv und leiten die Tiere genau dahin, wo es hingehen soll. Sie lehnen die Situation nicht ab und fürchten sie auch nicht. Sie tun genau das, was getan werden muss, um sie aufzulösen. Wenn eine Gazelle von einem Aligator oder einem Löwen angegriffen wird, dann fühlt sie sich dabei nicht als Opfer und sie fürchtet sich auch nicht vor dem Tod. Sie kämpft bis zur letzten Sekunde, bis sie es schafft, sich zu befreien oder bis sie tot zusammenbricht. Es gibt keine Angst und auch keine Hoffnungslosigkeit in ihr, die ihr sagen “Gib auf, du schaffst das ohnehin nicht!”
Wie aber ist es bei uns Menschen?
Durch unsere zivilisierte und verstandesorientierte Lebensweise haben wir den Kontakt zu unseren Instinkten und unserer Intuition fast vollständig verloren. Wir können also nicht mehr im natürlichen Rahmen instinktiv auf die äußeren Reize reagieren, sondern lassen alles zunächst einmal durch unseren Verstand bewerten und interpretieren. Daraus ergeben sich mehrere Probleme und Schwierigkeiten, die uns vollkommen aus unserem Gleichgewicht bringen, uns schaden und krank machen können. Und hier kommen wir nun zu den Punkten, die dazu führen, dass eine natürliche Baseline, die eigentlich unser Dauerzustand sein sollte, für uns kaum noch vorstellbar ist.
Vom Grundsystem funktionieren wir natürlich noch immer genau so, wie jedes andere Tier auch. Auch wir haben eine ruhige und entspannte Grundstimmung, die wir verlassen können und zu der es uns immer wieder zurück treibt. Auch wir können uns bewusst dafür entscheiden, unseren Ruhezustand zu verlassen, in dem wir Sport treiben, Jagen gehen oder unseren Körper auf andere Weise fordern. Diese bewussten Aktivphasen können auch wir selbstständig wieder beenden und auch wir können durch sie unseren Körper schulen, trainieren und kalibrieren. In diesem Bereich unterscheiden wir uns nur wenig von unseren natürlich lebenden Zeitgenossen. Spannend wird es jedoch, wenn wir und die indirekten Aktivzustände einmal genauer anschauen, also die Sonderprogramme, die aufgrund von äußeren Impuulsen in uns ausgelöst werden und dann im Autopilot ablaufen. Denn in diesem Bereich hat sich durch unsere Entfremdung von der Natur so gut wie alles verändert.
Schauen wir uns die unterschiedlichen Ebenen einmal genauer an.
Der zentrale Schlüsselpunkt, der unsere Reaktion auf Gefahrensituationen drastisch verändert, ist die Angst. Anders als Tiere und Pflanzen leben wir nicht länger im Urvertrauen und haben unser Gottbewusstsein verloren. Wir sehen uns nicht mehr als einen Teil der Schöpfung also einen Teil Gottes und damit einen Teil von Allem an, sondern halten uns für ein einzelnes Individuum, das von allem anderen getrennt ist. Ein solches Einzelwesen ist im unendlich großen Universum natürlich hoffnungslos verloren. Überall lauern Gefahren und Risiken und nahezu alles könnte das Ende unseres kleinen, kurzen Lebens bedeuten. Wenn wir uns als getrennt von allem anderen ansehen und davon überzeugt sind, dass unser Leben endlich ist, wir also durch irgend einen Fehler, eine Krankheit, ein Verbrechen oder einen Unfall ausgelöscht werden können, dann gibt es nahezu nichts, vor dem wir uns nicht fürchten können. Das beginnt bei unsichtbaren und winzig kleinen Organismen wie Bakterien und Viren, geht weiter über Fischgräten an denen wir ersticken könnten und endet schließlich bei einem Totalcrash des Universums, bei dem alles von einem schwarzen Loch verschluckt wird. Wer soll bei diesen Aussichten denn noch ruhig in seiner Baseline leben können?
Aber ist die Welt wirklich so feindlich und böse?
Wenn wir einen Blick hinter die Fassade werfen, dann erkennen wir, dass es dieses Getrenntsein von allem überhaupt nicht gibt. Es ist nichts weiter als eine Illusion. Alles im Universum ist eins und dies bedeutet auch, dass alles dem gleichen Sinn und Zweck dient. Alles was jemals geschiet, dient dem Universum und damit Gott, weil alles Gott ist. Kein Baum würde seine eigenen Äste gegeneinander wachsen lassen. Wenn also alles eins ist, dann ist alles was jemals geschehen kann eine Bereicherung für dieses Einssein. Alles ist Liebe und alles was geschiet dient dazu, diese Liebe auszudehnen und zu vergrößern. Jedes Tier und jedes Wesen im Universum ist sich dessen bewusst. Eine Maus sitzt also nicht den ganzen Tag in ihrem Bau und fürchtet sich vor den unzähligen Tieren, die sie fressen wollen. Sie lebt im Urvertrauen und weiß, das alles was geschieht einen Sinn hat und genau so sein soll, wie es eben ist. Wenn sie eine Gefahr wittert, reagiert sie darauf und versucht zu fliehen. Wenn es ihr gelingt ist das in Ordnung. Wenn es nicht gelingt, dann lebt Sie als Teil des Beutegreifers weiter, der sie erwischt hat. Für das Universum ist es egal, wer stirb und wer am Leben bleibt, denn jeder Tod ermöglicht neues Leben und in der Gesamtheit ändert sich dadurch nichts. Alle Wesen die es im Universum gibt, sind nichts anderes, als die unterschiedlichen Facetten des einen großen Bewusstseins. Wir sind wie Wassertropfen im Meer, die ständig in einander fließen. Es gibt keinen Tod, wenn ein Wassertropfen in einen anderen übergeht. Alles bleibt eine fließende Bewegung und alles bleibt immer ein. Es gibt also keinen Grund, Angst zu haben oder eine Situation abzulehnen, denn alles ist immer und zu jedem Zeitpunkt genau so wie es seien soll. Alles ist eins, alles führt zur Liebesausdehnung und bringt mich näher an mein Gottbewusstsein. Alles dient der Balance, der Harmonisierung der Heilung.
Was aber passiert nun, wenn ich auf eine Gefahrensituation nicht mehr mit einer instinktiven Handlung reagiere, sondern mit Angst und Panik? Die natürliche Gefahrensituation wird plötzlich zu einem Konflikt. Zuvor gab es zwei Facetten eines Bewusstseins, die mit einander den Tanz des Lebens tanzten. Jetzt gibt es plötzlich ein Problem. In unserem Kopf entsteht eine Situation, die wir nicht mögen, die wir nicht da haben wollen, die wir ablehnen und verneinen. So wie die Welt ist, ist sie plötzlich nicht mehr richtig und damit gerät alles aus dem Gleichgewicht.
Unsere Konfliktphase als Mensch beginnt also in dem Moment, in dem wir das Gefühl des Urvertrauens verlieren. Wir glauben nicht mehr daran, dass alles in Ordnung ist. Verliere ich jedoch den Glauben daran, dass alles der Harmonisierung und der Liebesausdehnung dient und glaube nun, dass mir etwas oder jemand schaden will, dass eine Situation negativ und zu meinem Nachteil ist, dann gerate ich in einen inneren Gottkonflikt. Das Problem, in dem ich nun verstrickt bin, ist also nicht die Situation selbst, sondern meine Interpretation von ihr. Meine Überzeugung ist nicht länger: “Alles hat einen Sinn”, sondern: “Die Welt ist böse, gefährlich oder ungerecht!” Ich verliere das Vertrauen in das Leben und glaube, dass Dinge nur deshalb passieren um mir zu schaden und nicht um mich zurück ins Gleichgewicht und ins Gottbewusstsein zu führen. Ab diesem Moment beginnt eine gedankliche Konfliktsituation, eine Konfliktsituation, die außerhalb des natürlichen Rahmens abläuft.
Als göttliche Wesen haben wir jedoch die Macht, unsere eigene Welt zu erschaffen und so zu gestalten, das sie zu unseren Überzeugungen passt. Die Welt ist also immer das, wofür wir sie halten. Wenn wir glauben, dass alles eine Gefahr für uns darstellt, dann stellt auch alles eine Gefahr für uns dar. Die Gefahren selbst müssen nicht real sein, denn unsere Sonderprogramm funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie die der Tiere. Sobald wir einen äußeren Impulz als Warnsignal für eine Bedrohung wahrnehmen startet in uns ein Sonderprogramm. Aus diesem Grund können wir nahezu alles als Auslöser für eine innere Konfliktsituation wahrnehmen, ganz gleich, wie harmlos und unbedeutend es für jeden anderen auch sein mag. Sie merken also, dass es langsam schwer wird, seine natürliche, gesunde Baseline noch einigermaßen konstant beizubehalten.
Die Fehlinterpretation von Situationen als etwas Negatives, Schädliches ist es, was in uns Angst und die Panik auslöst. Weil wir glauben, dass die Welt feindlich und böse ist, haben wir das Gefühl, sie ändern zu müssen. Die Situation, so wie sie ist, gefällt uns nicht mehr. Wir wollen sie nicht wahr haben, können sie nicht annehmen und versuchen uns mit Hilfe unseres Verstandes Szenarien zu überlegen, um den Istzustand zu verändern. Dadurch können wir auch die reale Situation jedoch nicht mehr intuitiv reagieren. Anstatt unseren Sinnen zu vertrauen und unserem Instikt zu folgen, der uns aus der Situation herausführt, versuchen wir zu verhindern, dass die Situation als solche überhaupt existiert. Wir verläugnen sie oder versuchen sie in unserem Kopf irgendwie zu verändern. In unserem Verstand entstehen nun 1000 Fragen und Gedankenschleifen: Warum passiert es ausgerechnet mir? Das kann doch so nicht wahr sein! Oh mein Gott, was soll ich jetzt bloß machen? Und so weiter. Diese inneren Gedankenkonflikte entstehen immer dann, wenn wir eine Situation entweder nicht annehmen können, wenn wir sie als beängsitgend wahrnehmen oder wenn beides gleichzeitig eintrifft.
Was bedeutet dies nun im Klartext?
Durch unsere Angst- und Verstandesorientierte Bewertung der Situationen in unserem Leben, können wir nicht mehr rational handeln, sondern verfallen permanent in verschiedene Konfliktzustände. Wenn eine Maus eine tödliche Bedrohung in Form einer Katze oder eines Mäusebussards wahrnimmt, dann löst dies in ihr einen Fluchtimpuls aus, dem sie unvermittelt nachgeht. Ihr Körper schaltet vom Ruhemodus auf das Sonderprogramm “Flucht” und ab gehs in den sicheren Bau. Wenn wir nun jedoch mit unserer Angstinterpretation einer tötlichen Bedrohung gegenüberstehen, dann wird aus dem einfachen Programm “Flucht” ein sogenannter “Todesangstkonflikt”. Unser Körper schaltet genau wie bei der Maus auf den Modus “Flucht” aber unser Verstand ist nun rein auf die alles übermannende Angst ausgerichtet. Während die Maus bei ihrer Flucht weiterhin wachsam ist und all ihre Sinne auf Höchstleistung laufen hat um weitere Gefahren oder auch Signale der Entwarnung wahrzunehen, richten wir unsere Aufmerksamkeit nach innen um uns auf die Angst zu konzentrieren und laufen wie blind durch die Gegend. Nicht umsonst spricht man auch von “blinder Panik”.
Unsere Angst, die wir mit einer Gefahrensituation verbinden führt also dazu, dass wir nicht mehr intuitiv richtig handeln, sondern meistens lauter Entscheidungen treffen, die uns noch mehr in die Gefahr hinein bringen. Wir nehmen die Gefahrensituationen also nicht nur sehr viel intensiver und bedrohlicher wahr als Tiere, es fällt uns auch bedeutend schwerer, wieder aus ihnen heraus zu finden.
Gleichzeitig häufen sich die Konfliktsituationen durch unsere angstfokussierte Weltsicht. So wie bei der Maus ist auch bei uns nicht entscheidend, ob wir einer realen Gefahr gegenüberstehen, sondern nur ob wir eine Wahrnehmung als Gefahr interpretieren. Wann immer wir einen Impuls von außen mit “Gefahr” assoziieren, startet in uns ein Sonderprogramm, durch das sich unser Körper auf die Anforderungen für die Beseitigung der Gefahr umstellt. Für ein artgerecht lebendes Tier ist auch dieser Mechanismus absolut sinnvoll und überlebenswichtig. Eine Flucht zuviel, weil ein Geräusch oder ein Geruch fehlinterpretiert wurde ist nicht weiter schlimm und es ist besser, als nicht reagiert zu haben, obwohl ein Feind da war. Durch unser generelles Mistrauen in das Leben und unsere irrationale Angst davor, dass uns die Welt feindlich gesonnen ist, interpretieren wir jedoch sehr viele Dinge und Situationen als Gefahr und versetzen uns dadurch immer wieder in einen Ausnahmezustand, der rational betrachtet nicht nötig ist. Genau wie ein Tier bekommen wir einen Sinneseindruck, den wir als Ankündigung einer Bedrohung wahrnehmen. Anders als in der Natur ist diese Gefahr in unserer Gesellschaft jedoch nicht mehr direkt auf unser Leben ausgerichtet ist. Es existieren keine realen Feinde mehr, sondern nur noch geistige. Die Überzeugung und die Angst, dass uns jemand oder etwas bewusst schaden will, versetzt uns in einen Ausnahmezustand, der jedoch keine reale Ursache mehr hat. Der Feind, vor dem wir uns fürchten existiert nicht wirklich. Er ist nur ein Gedankenkonzept und vor diesem kann ich nicht fliehen. Wenn ich aber nicht fliehen kann, dann gibt es auch keinen Impuls, der mir sagt, dass meine Flucht gelungen ist. Genau wie die Tiere können wir unsere Sonderprogramme nicht bewusst beenden, sondern nur durch unser Unterbewusstsein beenden lassen, indem wir die Überzeugung gewinnen, dass die Gefahr vorbei ist. Dies kann aber manchmal Wochen, Monate, Jahre oder gar Jahrzehnte dauern.
Die Angst vor dem Leben führt also dazu, dass wir unsere Baseline für eine sehr lange Zeit am Stück verlassen und permanent im Ausnahmezustand leben. Wenn ich Angst vor einem imaginären Feind habe, kann ich nicht mehr zur Ruhe kommen, wenn ich mich in meinem Mauseloch verkrieche, denn der Feind ist nicht im Außen, sondern in meinem Kopf und begleitet mich daher überall hin. Mein Körper verhält sich also auch weiterhin so, als müsste er vor irgendetwas fliehen. Bekomme ich beispielsweise von einem Arzt gesagt, dass ich eine tödliche Krankeheit habe, dann kann mein Körper auf dieses Gespräch mit dem gleichen Sonderprogramm reagieren, wie die Maus, die einer Katze gegenüber steht. In beiden Fällen nimmt der Organismus eine tödliche Bedrohung wahr und will davor fliehen, vorrausgesetzt natürlich, dass ich den Worten des Arztes glauben schenke. Anders als die Maus kann ich vor der schlechten Nachricht jedoch nicht weglaufen und mich in Sicherheit bringen. Der Impuls “Gefahr vorbei!” wird also nicht gegeben. Das bedeutet, dass das Sonderprogramm, das eigentlich nur für einen kurzen Moment vorgesehen war, zu einer Dauerschleife wird. Kurzfristig hatte dieses Programm einen Sinn und leistete einen elementaren Beitrag zu unserem Überleben. Langfristig sieht dies jedoch etwas anders aus. Um mit dem permanenten Ausnahmezustand umgehen zu können, muss sich unser Körper umstellen. Je nach Konflikt müssen bestimmte Organe stärker, kräftiger und leistungsfähiger werden, während andere, die für die Konfliktlösung vielleicht nicht direkt von Bedeutung sind, heruntergefahren, abgebaut oder verkleinert werden, um neue Reserven zu mobilisieren. Dadurch kommt es zu einem Ungleichgewicht in unserem Körper, der uns langfristig schadet. Solange wir uns in einem kurzfristigen, realen Sonderprogramm befinden, haben wir zwar unsere Baseline, nicht aber unser inneres Gleichgewicht verlassen. Unsere Lunge stellt beispielsweise mehr Energie für die Flucht bereit und diese Energie wird sofort wieder verbraucht. In einer Dürrephase steigert die Leber ihre Funktion um mehr Nährstoffe aufzuschlüsseln, so dass unser Nährstoffhaushalt mehr oder weniger auf dem gleichen Stand bleibt, wie bei normaler Nahrungsversorgung und einer gewöhnlich arbeitenden Leber. Wir bleiben also in Balance. Existiert die Gefahrensituation jedoch nur in meinen Gedanken, so kann die überschüssige Energie nicht abgebaut werden, weil ich rein körperlich überhaupt nicht flüchte. Ich liege vielleicht sogar den ganzen Tag im Bett, weil mir verordnet wurde, dass ich mich schonen muss und trotzdem arbeitet mein Körper als würde er einen Dauersprint hinlegen. Meine Existenzangst spielt mir vor, dass ich nicht genug zum Leben habe und daher vielleicht verhungern werde. Also schlüsselt meine Leber noch den letzten Rest an Inhaltsstoffen meiner Nahrung auf. Gleichzeitig sorgt aber die Angst auf der emotionalen Ebene dafür, dass ich permanent am Futtern bin und alles in mich hineinstopfe, was ich finden kann. Dieses innere Ungleichgewicht ist es, was uns schadet.
Hinzu kommt, dass das Sonderprogramm durch seine Dauerschleife die ursprüngliche Sinnhaftigkeit verliert. Eine Lungenvergrößerung für einen kurzen Zeitraum um mehr Sauerstoff in den Körper bringen kann im passenden Moment lebensrettend sein. Die Lunge dauerhaft zu vergrößern und immer größer und noch größer werden zu lassen, bringt uns hingegen nicht weiter. Irgendwann drückt sie von oben auf das Zwerchfell und engt die darunterliegenden Organe ein, die uns nun schmerzen und die in ihrer Funktionstüchtigkeit eingeschränkt werden.
An dieser Stelle kommt dann auch noch unsere moderne Medizin ins Spiel, die es beeindruckenderweise fertig bringt, durch ihre grandiose Fehlinterpretation der Lage, alles noch schlimmer zu machen. Denn da wir uns in der Medizin normalerweise nicht mit der Natürlichkeit und Unnatürlichkeit unseres Lebens beschäftigen, interpretieren wir die körperlichen Veränderungen durch die Sonderprogramme als Krankheiten. Erkennen wir in einem Organ einen ungewöhnlichen Zellzuwachs, der aufgrund eines lange aktiven Sonderprogramms entstand, nennen wir dies in der Regel krebs. Wir können uns nicht erklären, warum sich die Zellen in den unterschiedlichen Organen plötzlich so schnell vermehren und glauben daher, dass die Zellen kaputt sind. Die Frage, ob ihre vermehrte Zellteilung einen Grund haben könnte, stellen wir in der Regel nicht. Stattdessen sehen wir nun auch die Zellen als einen Feind an, auf den wir mit zwei unterschiedlichen Verhaltensweisen reagieren. Zum einen fürchten wir uns vor ihnen, weil wir schon wieder glauben, dass sie uns töten wollen. Ehe wir uns versehen haben wir also gleich noch einen weiteren Todesangstkonflikt, der in Dauerschleife läuft. Gleichzeitig versuchen wir die feindlichen, bösartigen Zellen in unserem Körper zu töten, indem wir sie verstrahlen oder vergiften. Beides führt dazu, dass unser Organismus weiter geschwächt und noch mehr aus dem Gleichgewicht gebracht wird.
Doch kommen wir noch einmal auf die Konfliktsysteme zurück. Denn es kommt noch ein weiterer Faktor hinzu. Solange der Konflikt in uns aktiv ist, läuft nicht nur ein körperliches Sonderprogramm in uns ab, wir befinden uns auch in einem Dauerangstzustand. Unser ganzes Denken, Fühlen und Handeln auf diese Angst ausgerichtet. All unsere Gedanken drehen sich im Kreis und lassen nichts anderes mehr zu, als die Konzentration auf die Angst. Es ist, als würde uns pausenlos jemand mit einem kleinen Hammer gegen den Kopf schlagen. Wir sind permanent abgelenkt, unsere Aufmerksamkeit sinkt ins Bodenlose, wir können nicht mehr richtig schlafen, fühlen uns gestresst, werden unkontrolliert und führen lauter irrationale Handlungen aus. All dies endet erst dann wieder, wenn wir von irgendwo den Impuls bekommen, dass die Gefahrensituation wieder vorbei ist. Da die Gefahr selber jedoch nicht real war, ist es oftmals nicht so leicht, diesen passenden Impuls zu finden. Vor allem, weil wir uns oftmals nicht einmal bewusst sind, dass wir uns in einer Konfliktsituation befinden. Um den Entwarnungsimpuls zu bekommen müssen wir die Konfliktsituation also zunächst einmal erkennen und auf ihre Ursächlichkeit zurückführen. Und hierbei stoßen wir auf die nächste Schwierigkeit die uns unser intuitionsloses, verstandes- und angstorientiertes Handeln einbringt.
Da Tiere intuitiv auf die Gefahrensituationen reagieren, lassen sich ihre biologischen Sonderprogramme meist sehr leicht den entsprechenden Situationen zuordnen. Wenn ich als Maus einen Fressfeind wahrnehme, reagiere ich mit Flucht. Wenn ich als Löwenmännchen einen Rivalen in meinem Revier bemerkte, reagiere ich mit Angriff und Kampf. Als Mensch ist dies jedoch bei weitem nicht so klar, da wir jede Situation aufgrund unserer Ängste individuell interpretieren. Nehmen wir einmal an, Herr Müller erwischt seine Frau mit einem anderen Mann im Bett. Wäre Herr Müller eine Ente, so wäre dies für ihn ein Zeichen für einen Revierkonflikt und seine Intuitive Handlung wäre, dass er das fremde Männchen verbeißt und vertreibt. Anschließend wäre die Situation für ihn geklärt. In unserem Fall hat Herr Müller aber seit seiner Kindheit Verlassensängste und empfindet sich selbst als nicht liebenswert. Seine Frau nun mit einem anderen Mann im Bett zu sehen, wird von ihm daher nicht als Eindringen in sein Revier sondern als Bestätigung seiner eigenen Unzulänglichkeit bewertet und seine Reaktion ist kein Angriff sondern eine Selbstverurteilung. Er befindet sich nun also in einem Selbstwertkonflikt. Herr Huber hingegen hat laufend wechselnde Frauen und ein starkes Selbstbewusstsein. Als er seine aktuelle Frau im Bett mit einem anderen erwischt, stört ihn weniger das Fremdgehen als die Tatsache, dass dieser Hallodri in seinem Revier wildert. Genau wie der Enterich vertreibt er den Eindringling, da er die Situation als einen Revierkonflikt wahrnimmt.
Durch das Zwischenschalten vom Verstand können wir also ein und die selben Impulse vollkommen unterschiedlich interpretieren und daher auch mit vollkommen anderen Konfliktprogrammen darauf reagieren. Wie diese Reaktionen aussehen, hängt dabei sehr stark von unserem Portfolio an Ängsten ab, das wir uns im Laufe unseres Lebens angeeignet haben. Es ist ein bisschen wie bei den alten Computern, die noch mit Lochkarten funktionnierten. Jeder Mensch sammelt aufgrund von Erfahrungen die er als nagativ, verstörend oder traumatisierend empfunden hat, eine mehr oder minder große Anzahl von Ängsten an, die jeweils auf einer solchen Lochkarte vermerkt werden. Wenn nun eine neue Gefahrensituation auftaucht, gleicht er diese mit seinen Angstkarten ab und entscheidet dann, zu welcher Angst sie am besten passt. Dementsprechend startet er dann das passende Sonderprogramm. Damit die Sache jedoch nicht zu einfach wird, kommen wir nicht als unbeschriebene Blätter zur Welt. Bereits im Bauch unserer Mütter haben wir schon ein Bewusstsein und bekommen Eindrücke und Erfahrungen mit. Alles was eine Wesen in seinem Leben erfährt, wird als Information in jeder einzelnen Zelle abgespeichert. Solange wir uns imi Bauch unserer Mutter befinden, sind wir ein Teil ihres Organismus. Dadurch bekommen wir auch ihre Ängste und alle Konfliktprogramme mit, die sie während der Schwangerschaft durchlebt. Wenn man bedenkt, dass auch die Samen und Eizellen mit den Erfahrungsinformationen unserer Eltern ausgestattet sind, kommt höchst wahrscheinlich auch schon ein ganzer Stapel an Angst-Lochkarten aus der Zeit vor unserer Zeugung bei uns an. Wir haben also schon bei unserer Geburt eine große Auswahl an Ängsten, mit denen wir jede mögliche Gefahrensituation abgleichen können.
Je nachdem wie unsere Kindheit verläuft, können sich diese Ängste unterschiedlich auf unsere Konfliktsystem auswirken. So kann es zum Beispiel sein, dass Felix sehr vorsichtige und ängsliche Eltern hat, die stets versuchen, ihn vor allem zu beschützen. Er bekommt nie eine starke, traumatische Erfahrung, die in seinem Leben besonders einschneidend war. Dafür aber ist er von einer unzählbar großen Menge an Ängsten erfüllt, die sich gegen alles und jeden richten können und bei denen man kaum noch eine Üersicht behalten kann. Christian hingegen hat als Kind zwei oder drei traumatische Erfahrungen gemacht, die ihn tief geprägt und beeinflusst haben. Die daraus resultierenden Konfliktsituationen sind riesig, aber dafür sind es nur sehr wenige. In Christians Fall wird es später wahrscheinlich deutlich leichter sein, seine Konflikte aufzulösen, da sie zum einen sehr präsent und zu anderen sehr klar und gradlinig strukturiert sind. Felix’ System hingegen ist so komplex und verschachtelt, dass es eine große Herausforderung wird, die einzelnen Konflikte überhaupt erst einmal ausfindig zu machen. Außerdem waren die Auslöser möglicherweise so klein und subtil, dass er sich kaum noch an sie erinnern kann und dementsprechend schwierig wird es sein, die nötigen Impulse für die Konfliktbeendung zu setzen. Obwohl Christian auf den ersten Blick vielleicht die schwierigere Kindheit hatte, ist sie im nachhinein trotzdem leichter zu lösen.
Es gibt aber noch weitere Faktoren, die die Art und die Tiefe der Konfliktsysteme beeinflussen. Herr Schmitt und Herr Köhler wurden beide von ihren Frauen verlassen, die jeweils auch gleich noch ihr komplettes Vermögen mitgenommen haben. Beide Männer stehen nun also komplett mittellos dar und können nicht einmal mehr ihre Miete bezahlen. Dadurch kommen beide in einen Existenzangstkonflikt, weil beide fürchten, dass ihre Grundexistenz durch diese Situation gefährdet ist. Herr Schmitt ist jedoch ein gewiefter und erfolgreicher Gschäftsmann. Für ihn ist klar, dass dieser Zustand der Mittellosigkeit nur von kurzer Dauer sein wird. Er muss sich auf den Hosenboden setzen, ordentlich ranklotzen und zusehen, dass er das Geld innerhalb kürzester Zeit wieder zusammen hat. In dieser Phase arbeitet er auf Hochtouren und geht an seine körperlichen und psychischen Grenzen. Sobald die Situation vorbei ist, kehr er jedoch in sein gewohntes Muster zurück. Bei Herrn Köhler sieht die Sache hingegen anders aus. Schon als Kind hat er gelernt, dass er ein Versager ist, der es nie zu etwas zustande bringen wird. Ständig ließ er sich übers Ohr hauen und die Situation mit seiner Frau zeigt ihm nur noch einmal aufs Neue, dass er kaum lebensfähig ist. Sein Existenzkonflikt ist also nicht nur auf diese einzelne Situation bezogen, sondern durchzieht sein ganzes Leben. Jetzt, wo er mittellos darsteht, weiß er nicht, wie er das jemals wieder auf die Reihe kriegen soll. Für ihn ist der Zustand nicht überschaubar, sondern wird zu einem endlosen Desaster, das er wohlmöglich niemals lösen wird. Zu seinem Existenzkonflikt kommen nun also noch viele weitere Konflikte hinzu und wenn er zurück in seine Baseline will, muss er die Ursächlichkeiten in seiner Kindheit auflösen.
Schließlich gibt es noch eine andere Form von Konfliktsystemen, die wir genauer beleuchten müssen, um das Konzept vollständig zu verstehen. Tiere, die als Teil des göttlichen Ganzen leben, besitzen kein Ego, das verletzt werden könnte. Sie sind daher auch nicht nachtragend und können ein Probem, das behoben wurde vollkommen loslassen. Wir Menschen hingegen haben gerne die Angewohntheit, selbst gelöste Situationen noch ewig mit uns herum zu tragen, weil wir uns in unserem Ego dadurch verletzt fühlen. Kehren wir dafür noch einmal zu dem Beispiel von Herrn Müller und seiner untreuen Frau zurück. In der Tierwelt ist der Konflikt nach dem vertreiben des Männchens beendet. Bei uns ist dies jedoch häufig nicht der Fall. In Herrn Müller kommen verschiedenste Gedanken auf, die ihn weiter in der Situation festhalten. “Du hast mich betrogen! Wie konntest du einfach fremd gehen? Bin ich im Bett nicht gut genug? Will meine Partnerin mich jetzt verlassen?” und so weiter. Diese Gedanken können ebenfalls eine Reihe von Konflikten auslösen, je nachdem mit welcher Angst Herr Müller sie verbindet. Als Menschen haben wir also eine ganze Reihe von Konfliktsystemen erfunden, auf die unser Körper mit einem biologischen Sonderprogramm reagiert, die es in einer natürlichen, artgerechten Welt eigentlich nicht geben würde. Wenn ich Angst davor habe, von meinem Partner verlassen zu werden, dann trage ich diese Angst in jeder Sekunde mit mir herum und kann sie nicht ablegen. Der Konflikt, der das biologische Sonderprogramm in mir auslöst endet also erst, wenn ich es schaffe, meine Angst aufzulösen oder wenn mich mein Partner wirklich verlässt und ich nun nichts mehr zu verlieren habe.
Fassen wir also noch einmal zusammen!
Durch unsere zivilisierte und unartgerechte Lebensweise haben wir den Kontakt zum Gottbewusstsein verloren und leben daher nicht mehr im Urvertrauen. Die natürlichen und biologisch sinnvollen Sonderprogramme, die unser Körper in Gefahrensituationen automatisch startet sind dadurch vollkommen aus dem Gleichgewicht geraten. Wir reagieren nicht mehr instinktiv, sondern versuchen die Situationen mit dem Verstand zu interpretieren und werden dabei von unserer eigenen Angst gestäuert. Dadurch werden die Gefahrensituationen zu Konflikten, um ein vielfaches häufiger auftreten und bedeutend länger anhalten, als dies in der Natur der Fall wäre. Darüber hinaus sind diese Konflikte bei uns oftmals auf komplexere Art miteinander verwoben, die Angst bringt uns dazu, irrational zu handeln so dass wir im Grunde alles nur noch schlimmer machen, anstatt etwas aufzulösen und unser Ego bringt uns dazu, dass wir auch dann noch an einem Konflikt festhalten, wenn die eigentliche Situation längst gelöst und erledigt ist. All dies führt dazu, dass wir eine Vielzahl an unterschiedlichen Angskonflikten in uns tragen, die zum Teil nacheinander und zum Teil auch gleichzeitig aktiv sind.
Doch was bedeuten diese Angstkonflikte nun für unsere Gesundheit?
Um zu verstehen, was durch diese Konfliktsysteme in unserem Körper passiert, muss man sich zunächst den Verlauf der unterschiedlichen Konfliktphasen genauer anschauen. Jeder Konflikt besteht aus einer konfliktaktiven Phase und einer Heilungsphase. In der Natur funktioniert das sehr einfach. Sobald der Impuls für eine Gefahrensituation wahrgenommen wird, startet das Sonderprogramm und der Körper schaltet auf den entsprechenden Aktiv-Modus. Diese aktive Phase wird medizinisch als Sympatikus oder sympatigene Phase bezeichnet. Sobald die Gefahr vorbei ist, fährt der Körper wieder herunter, um zu seiner Baseline zurückzukommen. Bis der Gleichgewichtszustand wiederhergestellt ist, kann es einen Moment dauern. Die geflüchtete Maus oder der siegreiche Löwe sind einen Moment aus der Puste, ihr Herz schlägt noch schneller, ihr Atem ist noch immer erhöht und beides pändelt sich langsam wieder auf den Normalzustand ein. Dieses Einpendeln nach dem Ende der Gefahrensituation ist die sogenannte Heilungsphase. In der Medizin spricht man hier auch von Parasympatikus oder Vagotonie. Der Körper muss sich von der Anstrengung also zunächst einmal wieder erholen. Damit er in sein Gleichgewicht zurück kehren kann, muss die vagotone Phase der sympatikotonen Phase entsprechen. Das bedeutet im Klartext, ein Wesen braucht genauso viel Erholung wie es dich zuvor angestrengt hat. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Erholungsphase genauso lange dauern muss, wie die Aktivphase. Wichtig ist nur, dass der Ausgleich am Ende stimmt.
Da wir unsere Aktivphasen aufgrund unserer Angst als Konflikt wahrnehmen, können wir beim Menschen von sogenannten “konfliktaktiven Phasen” sprechen. In dieser Zeit findet das gedanklich verlängerte Schutzprogramm statt. Aufgrund der langen Dauer dieser Programme kommt es im Körper wie bereits erwähnt zu Veränderungen an den betroffenen Organen, die uns mehr und mehr aus unserem biologischen Gleichgewicht bringen.
Diese Veränderungen finden immer entweder in Form eines Zellabbaus oder eines Zellaufbaus statt. Entweder wird ein Organ so verändert, dass es stärker, größer und leistungsfähiger wird, weil der Körper in diesem Bereich mehr Kapazität, Sauerstoff, Volumen, etc. Braucht, oder aber ein Körperbereich wird auf Sparflamme gehalten und abgebaut, weil die Stresssituation ein Mangelbewusstsein auslöst und die Materialien und Energien für andere Aufgaben benötigt werden, die für die Konfliktlösung priorität haben.
Wenn der Konflikt gelöst wird, wir die Angst in diesem Bereich also verlieren, sich die Gedankenkonzepte auflösen oder wir die Situation loslassen können, geht unser Körper in die Heilungsphase über. In dieser Phase tritt eine Harmonisierung unseres Körpers ein, durch die er sich selbst wieder in sein ursprüngliches Gleichgewicht versetzt. Die Zellmasse, die aufgrund des Angstzustandes abgebaut wurde, wird wieder aufgebaut. Die Organe, die wegen der permanenten Höchstleistung Zellmaterial aufbauen mussten, kehren nun wieder auf ihre Normalleistung zurück und das überschüssige Zellmaterial wird wieder abgebaut. Diese Wiederherstellung unseres Naturzustandes kann jedoch je nach Konfliktart, -dauer und -umfang sehr heftige Formen annehmen. Wenn wir zuvor ständig auf Achse waren und keine Ruhe finden konnten, holt sich unser Körper die dadurch verlorene Energie nun wieder zurück, indem er besonders viel Schlaf einfordert. Wir geraten also in eine Dauermüdigkeit und bekommen ein Energietief, in dem wir kaum noch Kraft und Motivation besitzen. Überschüssiges Zellmaterial wie beispielsweise die vermehrt aufgebauten Bronchialzellen müssen nun vom Körper abgebaut und ausgeschieden werden. Im Fall der Lunge geschieht dies mit Hilfe der sogenannten Tubakel. Die überschüssigen Lungenzellen werden dann als blutiger Schleim ausgehustet. Da wir diese Harmonisierung des Körpers häufig nicht verstehen und daher auch nicht wissen, was sie für eine Ursache oder einen Sinn hat, nehmen wir sie meist ebenfalls als Krankheit wahr. Wir glauben, dass wir ein Müdigkeitensyndrom, Tuberkulose oder andere Krankheiten haben, machen uns Sorgen und versuchen, uns mit chemischen Medikamenten wieder zu heilen. Dies führt jedoch lediglich dazu, dass wir unseren Körper daran hindern, in seine natürliche Baseline zurückzukehren. Durch die Medikamente verlangsamen oder stoppen wir die Regenerationsphase des Körpers und halten uns so künstlich in einer Disharmonie fest. Wenn wir die Heilungsreaktionen unseres Körpers darüber hinaus auch noch als gefährlich oder gar lebensgefährlich ansehen und sie als Auslöser für einen neuen Konflikt nehmen, dann starten wir das ganze System gleich noch einmal von vorne, oder wir erschaffen uns ein neues.
Gleichzeitig kommt es nach dem Ende der konfliktaktiven Phase auch zu einer sogenannten Heilungskrise. Unser Organismus hat gemerkt, dass die Dauerschleife im Sonderprogramm zu einem schädlichen Ungleichgewicht geführt hat. Um zu verhindern, dass dies noch einmal passiert, bekommen wir eine Art Strafzettel, durch den wir und die Situation einprägen und der uns dabei hilft, uns zukünftig anders zu entscheiden. Auf diese Weise wird uns noch einmal bewusst, dass hier eine Angst war, die uns in das biologische Sonderprogramm geführt hat, das dann das Ungleichgewicht auslöste. Dadurch entsteht in uns zum einen das Verständnis für derartige Situationen, so dass wir sie zukünftig neu bewerten können und zum anderen stärkt es die Absicht, zurück ins Vertrauen zu finden und unserem Gottbewusstsein näher zu kommen. Auf diese Weise prägen wir uns die Situation ein und verstehen, dass wir so nicht weitermachen können. Dadurch verhindert unser Körper, dass wir uns immer wieder aufs Neue gefährden. Eine solche Heilungskrise tritt nur bei langen Konflikten ein. Eine Maus, die nach Hause kommt und die Flucht vor der Katze geschafft hat, bekommt nach beendigung des Sonderprogramms keine Heilungskrise. Sie braucht einige Sekunden, bis sie wieder bei Atem ist und bis sich ihr Herzschlag wieder beruhigt hat und dann ist alles wieder in Balance, so dass sie wieder ihre Grundstimmung einnehmen kann.
Die teilweise enorme Länge und Intensivität unserer konfliktaktiven Phase kann jedoch so stark sein, dass unser Körper das entstandene Ungleichgewicht kaum noch oder gar nicht mehr handlen kann. Es ist ähnlich wie bei einem Waldsystem, das vollkommen aus dem Gleichgewicht geraten ist. In der Natur herrscht normalerweise eine Artenvielfalt, bei der jede Spezies seinen Teil zum Gemeinwohl beiträgt. Ein natürlicher Wald ist somit ein komplexer Organismus, in dem jedes einzelne Lebewesen seine Aufgabe hat. Aus Angst, dass uns diese natürlichen Waldsystem nicht genügend Rohstoffe in Form von Holz bieten, haben wir sie jedoch häufig zu reinen Monokulturen verändert. Es gibt in diesen Wäldern nun keine Artenvielfalt unter den Bäumen mehr, sondern meist nur noch Fichten, Kiefern oder Buchen, die in gleichmäßigen Abständen nebeneinander gepflanzt wurden. Für uns ist ein solcher Wald eine effektive Baumplantage. Für die Natur ist es jedoch ein Ökosystem, das aus dem Gleichgewicht geraten ist. Da die Natur jedoch darauf ausgerichtet ist, stets alles in Gleichgewicht zurückzubringen, versucht Sie nun, den Wald soweit zu verändern, dass die natürlich Ordnung wieder entstehen kann. Dazu kann es sein, dass Unmengen an Borkenkäfern entstehen, die über die Bäume herfallen und sie zum Absterben bringen. Es ist ähnlich wie in unserer Lunge. Der Überfluss an Fichten wird als übermäßiger Zellaufbau wahrgenommen, der wieder entfernt werden muss, um das Gleichgewicht zurück zu erlangen. Dabei kommt er vor, dass der komplette Wald stirbt, so dass ein neuer enttehen kann. Ähnlich kann es auch in unserem Körper zugehen, wenn die konfliktaktive Phase zu lange und zu intensiv war. Abhängig von der Konfliktart kann es passieren, dass der Körper bei dem Versuch, sein natürliches Gleichgewicht wiederherzustellen stirbt.
Übersteht der Organismus die Heilungsphase jedoch, so gehen die betroffenen Organe und Körperbereiche ebenfalls gestärkt aus dem Konflikt hervor, so wie es auch bei einem natürlichen, kurz ablaufenden Sonderprogramm passiert. Dadurch kalibriert sich der Körper und stellt sich auf zukünftige Gefahrensituationen ein. Alles was wir jemals in unserem Leben erfahren, wird in unserem Körper abgespeichert. Dieser weiß nun, dass derartige Situationen auftreten können und trift Vorkehrungen, so dass er beim nächsten Mal besser darauf vorbereitet ist.
Bei unserer Geburt sind wir zunächst universell vorbereitet. Das bedeutet, dass unser Körper auf alle möglichen Situationen relativ gleichwärtig reagieren kann. Je mehr Erfahrungen wir jedoch sammeln, desto mehr passt sich unser Organismus an die Erforderlichkeiten an. Eine Maus, die beispielsweise in einem Gebiet lebt, in dem es sehr viele Füchse gibt, wird sich durch die Gefahrensituationen, die sie mit diesen Beutegreifern hat immer besser auf den Umgang mit ihnen vorbereiten. Ihr Körper spezialisiert sich möglicherweise darauf, besonders feinfühlig für Gerüche und Geräusche zu werden, die von Füchsen verursacht werden können. Sie sucht sich Wege, auf denen Sie keine Geräusche verursacht wodurch sie für den Fuchs nicht so auffällig ist. Ihre Organe bereiten sich vielleicht darauf vor, runterzufahren und in einer todesähnlichen Starre auszuharren, wenn ihr der Fuchs zu nahe kommt und keine Flucht mehr möglich ist. Lebt die Maus hingegen in einer Region in der ihr Hauptfeind der Mäusebussard ist, der sie aus der Luft angreift, kalibriert sich ihr Körper auf eine ganz andere Überlebenstaktik.
Diese Reaktion auf die Erfahrungen sind ein Feintuning des Körpers, das uns besonders auf die Gefahrensituation vorbereitet, die in unserem Lebensraum eintreten. Ein Mensch, der in der Zivilisation in einer großen Stadt aufwächst, ist beispielsweise häufig mit Stresssituationen konfrontiert, die es in der Natur in dieser Form nicht gibt. Sein Körper stellt sich daher auf die entsprechenden Situationen ein und wird robuster und wiederstandsfähiger im Umgang mit Dauerstress. Zieht er dann aus der Stadt in den Wald um von nun an autark in der Natur zu leben, muss sich sein Körper erst neu an die veränderte Situation gewöhnen. Am Anfang ist er auf die Gefahrensituationen, die hier vorkommen können nur schlecht vorbereitet. Vor allem seine Sinne sind noch immer auf die laute Stadtwelt angepasst und nehmen viele der Warnsignale des Waldes nicht wahr. Er wird also des öfteren einen Witterungskonflikt erleiden, weil er spontan von Gefahren überrascht wird, die er nicht hat kommen sehen. Mit jedem Mal stellt sich der Körper jedoch auf die geänderte Situation um und richtet sich neu aus, so dass sich seine Witterung verbessert und seine Sinnesorgane ihre Leistungsfähigjkeit erhöhen.
Die meisten Krankheiten, die uns im Alltag begegnen sind entweder Symptome der konfliktaktiven Phase oder Begleiterscheinungen der Heilungsphase, die uns zurück in unser Gleichgewicht bringt. Darüber hinaus gibt es jedoch auch noch einige andere Ursachen, die Krankheitssymptome auslösen können, ohne dass ein Angstkonflikt vorliegt.
Parasiten, Besetzungen und Energieräuber
Parasiten sind Wesen, die von der Energie anderer Wesen leben. Sie brauchen also einen sogenannten Wirt, den sie anzapfen können, um lebensfähig zu sein. Solche Parasiten kommen in sehr unterschiedlichen Formen vor und können uns swohl auf der körperlichen Ebene als auch auf der Geistigen befallen und dabei ebenfalls Krankheitssymptome auslösen. Wie die Krankheiten selbst gelangen Sie jedoch auch nur dann in unseren Organismus, wenn wir uns nicht mehr im natürlichen Gleichgewicht befinden.
Auf der Körperebene sind Parasiten in der Regel kleine Organismen, die über das Wasser, unsere Nahrung oder einen Hautkontakt in unseren Körper gelangen. Zu ihnen zählen Würmer, Flöhe, Läuse, Bandwürmer und einige Bakterienarten. All diese Wesen spezialisieren sich jedoch immer auf geschwächte und angeschlagene Wirtskörper und befallen uns nicht, wenn wir uns in unserem natürlichen Gleichgewicht befinden. Auch Sie haben einen Sinn und können uns dabei helfen, in unser Gottbewusstsein zurück zu kommen. In der Regel sind physische Parasiten Spiegel, die uns einen Energieraub auf einer anderen Ebene deutlich machen können.
Auf der geistigen Ebene gibt es zwei unterschiedliche Arten von Energieräubern. Die erste Form ist eine interne die wir uns mit unseren eigenen Gedankenmustern und Glaubenssätzen erzeugen. Als Kinder haben wir die Fähigkeit, alles was wir erfahren oder erleben als absolute, unumstößliche Wahrheit anzunehmen. Dadurch eignen wir uns im Laufe unseres Lebens eine Vielzahl von Glaubensmustern und Überzeugungen an. All diese Überzeugungen dienten zum Zeitpunkt ihrer Entstehung unserem Überleben oder unserem Wohlergehen. Später können Sie uns jedoch einen Großteil unserer Energie rauben und uns in unserer Lebenskraft einschränken. So kann es sein, dass wir als Kind die Erfahrung gemacht haben, dass es unangenehme Folgen hat, wenn wir offen und ehrlich unsere Gefühle aussprechen. In dieser Situation haben wir also gelernt, dass es für unser Überleben wichtig ist, unsere Gefühle zu verbergen. Später ändern sich die Situationen und die Notwendigkeit für diese Gefühlsunterdrückung verschwindet. Der Glaubenssatz bleibt jedoch und schränkt von nun an unsere Lebenskraft ein. Derartige Glaubensmuster können die unterschiedlichsten Formen haben und uns auf verschiedenste Weise beeinflussen. Sie veranlassen uns dazu, dass wir einen großen Teil unserer Energie für den Kampf gegen uns selbst verwenden, weil wir immer gegen diesen inneren Widerstand anarbeiten müssen. Der Parasit, der uns besetzt hält und uns Kraft raubt, sind also letztlich wir selbst.
Die andere Form der geistigen Parasiten sind sogenannte Besetzungen. Ein Besetzer ist ein Geistwesen, das keinen eigenen Körper besitzt und sich daher an den Körper eines anderen anhäftet. Häufig handelt es sich bei den Besetzern entweder um Seelenfragmente, die aufgrund eines traumatischen Ereignisses von ihrer Hauptseele abgespalten wurden und nun an einer anderen Stelle anhaften, oder um komplette Seelen die nach ihrem Tod nicht in die jenseitige Welt zurückkehren konnten. Seelenfragmente stehen meist in einem direkten Bezug zum Wirt. Häufig gehen Sie von einem Menschen zum anderen über, wenn die beiden eine direkte traumatische Erfahrung miteinander verbindet. Es kann aber auch sein, dass das Fragment von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.
Eine Besetzung durch eine ganze Seele kommt in der Regel dann zustande, wenn das offene Lebensthema der Besetzerseele das des Wirtes spiegelt oder ergänzt. Wenn unsere Lebenthemen so groß sind, dass wir sie nicht bewältigen können, wir sie nach dem Tod aber auch nicht loslassen können, kommt es vor, dass wir noch weiterhin in dieser Welt bleiben und nicht ins Gottbewusstsein zurückkehren. Die Rückkehr findet erst dann statt, wenn die offenen Themen gelöst wurden und wir die diesseitige Welt loslassen können. Um das zu schaffen brauchen wir dann einen lebenden Wirt, mit dessen Hilfe wir unsere Aufgabe lösen können. Wenn wir also als Mensch von einer Seele besetzt werden, dann geschiet dies ebenfalls nicht ohne Sinn. So wie wir dem Geist dabei helfen können, sein Lebensthema zu lösen, hilft er uns auch bei der Bewältigung unserer eigenen. Dies kann jedoch unter umständen sehr unangenehme Formen annehmen, schmerzhaft, verwirrend oder leidvoll sein. Ähnlich wie es auch bei einer normalen Krankheit der Fall ist.
Die dritte Form von Parasitismus begegnet uns auf der Beziehungsebene. Hier handelt es sich bei den Parasiten um Personen, die aufgrund ihres eigenen Energiemangels die Energie von anderen anzapfen. Auch dies kann in sehr unterschiedlichen Formen geschehen. Häufig spüren wir es dadurch, dass wir uns nach dem Kontakt mit bestimmten Menschen kraftlos, unmotiviert, ausgelaugt, deprimiert, müde, unzufrieden oder freudlos fühlen, obwohl wir keinen offensichtlichen Grund dafür erkennen können. Es kann aber auch sein, dass wir glauben, aufgrund von bestimmten Beziehungen auf unsere Träume, Wünsche und Bedürfnisse verzichten zu müssen, so dass wir nicht das Leben leben können, das eigentlich zu uns gehört. In diesen Fällen können uns die Bezihungen zu den parasitären Menschen so sehr schwächen, dass wir dadurch krank werden oder sogar sterben. Es ist also wichtig, stets genau darauf zu achten, welche Beziehungen einem Kraft geben und welche nicht.
Beziehungssysteme und Familienclansystematik
Auch wenn es sich bei unseren Beziehungen nicht um Formen von Parasitismus handelt, sind hier viele Formen von Krankheitsursachen verborgen. Sobald wir eine Beziehung in irgendeiner Form mit einem Menschen, einem Tier, einem Wesen oder auch einer Sache eingehen, spannen wir auf der energetischen Ebene eine Art Kordel zu diesem Gegenüber. Im Laufe unseres Lebens spinnen wir so eine Art Spinnennetz aus Beziehungsschnüren, das uns auf unterschiedlichste Art mit allen Wesen in unserem Leben verbindet. Einige dieser Kordeln sind für beide Seiten bereichernd, andere halten uns fest, engen uns ein, ziehen uns in eine Richtung, in die wir nicht gehen wollen, halten uns zurück oder stören unsere göttliche Balance auf andere Weise. Je stärker wir daran glauben, dass wir ein Einzelwesen sind, das von allen anderen getrennt ist, desto stärker werden wir durch diese Beziehungskordeln beeinflusst. Jeder Mensch und jedes Wesen ist letzlich nur ein Spiegel unseres eigenen Bewusstseins. Er ist also eins mit uns und kann uns daher auch in keiner Weise schaden. Sind wir uns dessen jedoch nicht bewusst, bemächtigen wir die anderen Menschen durch die Übertragung von Verantwortung, durch das Gefühl, ihnen etwas Schuldig zu sein, durch Schuldzuweisungen oder Schuldgefühle sowie durch das Gefühl von Abhängigkeiten dazu, unser Leben und unser Wohlbefinden zu beeinflussen. Wann immer wir das Gefühl haben, jemand anderes sei an unserem Unglück schuld oder für unser Glück verantwortlich, geben wir das Zepter für unser eigenes Leben und für unser Wohlbefinden aus der Hand. Wir erkennen nicht mehr, dass der andere nur unser Spiegel ist und geraten dadurch immer mehr aus der Balance.
Je näher uns die Menschen, um die es dabei geht, stehen, desto größer ist auch der Machtverlust den wir auf diese Weise erleiden. Besonders in Familiensystemen und Beziehungen wird das Ungleichgewicht, das dadurch entsteht oft so stark, dass Krankheiten daraus resultieren.
Innerhalb von Familiensystemen kommt jedoch noch ein weiterer Punkt hinzu. So wie jeder einzelne Organismus stets darauf ausgerichtet ist, seine Harmonische Grundstimmung wiederzufinden und sein Gleichgewicht zu halten, so sind auch Familiensysteme stets auf ein Gleichgewicht ausgerichtet. Eine Familie funktioniert als ganzes also wieder ähnlich wie ein einzelner Mensch.
Das bedeutet im Klartext:
In der Natur ist die Familie für jedes Wesen stets das optimale Umfeld, um auf das Leben vorbereitet zu werden. Es gibt einige Arten, bei denen die Kinder alles was sie über das Leben wissen müssen selbst lernen, so dass sie keinen Kontakt zu ihren Eltern benötigen. Andere werden von einem Elternteil für eine gewisse Zeit gefüttert und gehen ihren Weg dann alleine. Wieder andere werden von beiden Eltern aufgezogen und zum Teil in verschiedenen Techniken und Fähigkeiten ausgebildet. In jedem Fall jedoch bekommen die jungen Wesen den optimalen Start in ein freies, selbstbestimmtes und gesundes Leben.
Dadurch, dass wir das Urvertrauen und unser Gottbewusstsein verloren haben, sieht unsere Kindererziehung jedoch etwas anders aus. Als Eltern haben wir keine Verbindung zu unserer Intuition mehr und wissen daher nicht, was unser Kind für ein selbstbestimmtes Leben in Gesundheit und Glückseligkeit benötigt. Wir raten einfach ins blaue und schauen, dass wir ihm irgendetwas beibringen, von dem wir glauben, es könnte vielleicht nützlich sein. Da wir selbst kein Urvertrauen besitzen können wir auch dem Kind keines vermitteln und geben ihm stattdessen eine vielzahl von Ängsten, Blockaden und einengenden Glaubenssätzen mit auf den Weg. Auf diese Weise ist es dem Kind nur schwer möglich, seine natürliche Baseline zu finden und in seinem Gottbewusstsein zu leben. Die Eltern tragen unzählige Angstkonflikte, Parasiten, Glaubenssätze, Lebensthemen und Traumata in sich. Wenn ein neues Leben geboren wird, dann wird dieses automatisch auch zu einem Spiegel seiner Eltern. Die erste Aufgabe, die es automatisch in seinem Leben übernimmt ist es, seinen Eltern als Spiegelpartner bei der Lösung ihrer Konflikte zu helfen. Dadurch schaut es sich einen Großteil dieser Konflikte ab und übernimmt sie ebenfalls.
Im Laufe der Zeit entsteht so ein Familiensystem, das vollkommenen aus dem natürlichen Gleichgewicht geraten ist. Ähnlich wie bei einem einzelnen Menschen gibt es auch hier familiäre Konfliktphasen in denen eine Konfliktsituation aktiv ist und Harmonisierungs- oder Heilungsphasen, in denen sich das System nach einem gelösten Konflikt wieder erholt. Da viele Menschen ihre Lebensthemen vor ihrem Tod nicht vollständig lösen, werden diese dann von den nachfolgenden Generationen übernommen und weiter bearbeitet.
Das bedeutet im Klartext: Unser inneres Ungleichgewicht, das zu Krankheitssymptomen führt, die uns zurück in die Baseline bringen, wird nicht nur durch unsere eigenen Lebenserfahrungen ausgellöst, sondern auch durch die Gesamterfahrungen unserer Familie. Unsere eigenen Krankheiten können daher auch aus unserer Ahnenlinie heraus entstanden sein und sich auf Lebensthemen beziehen, die schon seit mehreren Generationen nicht gelöst wurden. Jedes Familienmitglied löst dabei durch die Auflösungen der eigenen Konfliktsysteme immer auch einen Teil der Systeme der ganzen Familie. Ebenso wirkt sich jeder Konflikt eines Familienmitgliedes auch auf die übrigen Mitglieder und auf das gesamte System aus.
Artfremde Lebensweisen
Durch unsere Entfernung von unserer natürlichen Lebensweise im Einklang mit der Natur haben wir natürlich nicht nur unsere psychischen und emotionalen Mechanismen verändert, sondern auch unsere Lebensgewohnheiten. Unser kompletter Alltag hat heute nur noch sehr wenig mit dem eines Naturmenschen zu tun. Wir sind viel mehr zu Käfigwesen geworden, die vollkommen neue Strategien zum Überleben benötigen. Diese Strategien sind teilweise jedoch so sehr gegen unsere Natur gerichtet, dass sie uns krank machen, schwächen und töten können. Dies beginnt bei offensichtlich gesundheitsschädigenden Routinen wie Rauchen, das Trinken von Alkohol oder Kaffee, das Essen von Zucker, chemischen Zusatzstoffen und anderen artfremden Produkten, fehlende oder falsche Bewegung und Körperhaltung, zu wenig Schlaf, zu viel Stress und der gleichen mehr. Es betrifft aber auch Bereiche, die uns oft auf den ersten Blick gar nicht mehr als negative Routinen in den Sinn kommen, wie beispielsweise der lange Aufenthalt in geschlossenen Räumen, das permanente Erledigen von einseitiger Arbeit oder die Anpassung an Lebensumstände, die uns eigentlich nicht gefallen. Die Liste mit Lebensumständen, Alltagsroutinen, Verhaltensweisen, Wohnsituationen, Hobbys, Ernährungsweisen, Suchtmitteln und anderen gesundheitsschädigenden Vorkommnissen in unserem Leben ist schier endlos und würde hier den Rahmen sprengen. Wichtig ist daher, dass wir uns bewusst machen, welche unserer Lebensroutinen uns wirklich Kraft und Energie geben und welche uns schwächen und auslaugen.
Vergiftungen und Übersäuerung
Eine Art, auf die sich unsere artfremde Lebensweise nachteilig auf unsere Gesundheit auswirkt, ist eine chronische Vergiftung. Vergiftungen im Allgemeinen können sowohl auf der körperlichen als auch auf der emotionalen Ebene stattfinden, wobei die körperliche Vergiftung noch einmal in eine akute und eine chronische unterschieden werden muss.
Eine akute Vergiftung wird durch ein schnell wirkendes, starkes Gift ausgelöst, das unseren Körper innerhalb kurzer Zeit angreift, schwächt oder gar tötet. Meist versucht unser Körper das Gift so schnell wie möglich wieder aus dem Körper zu bekommen und reagiert daher mit Schweißausbrüchen, Durchfall, Brechreizen und oder Hustenanfällen. All diese Reaktionen sind für uns unangenehm, dienen aber nur dazu, den Körper vor dem drohenden Tod zu schützen.
Eine chronische Vergiftung hingegen findet langsam über einen langen Zeitraum statt und bleibt dabei zunächst meist unbemerkt. Der Körper reagiert nicht mit einer heftigen Abwehrreaktion, weil die Giftmengen zu klein sind, sondern versucht sie über die normalen Ausscheidungswege wieder aus dem Körper zu bekommen. Kommen jedoch zu viele Giftstoffe nach, sind unsere Entgiftungsorgane irgendwann überfordert und können nicht mehr so viele Giftstoffe aus dem Körper entfernen, wie von außen nachkommen. Dadurch muss sich das Gift im Körper einlagern und beginnt nun nach und nach, die Funktionsweisen unserer Zellen, unseres Blutes, unserer Organe und anderer Körperbereiche zu stören.
Das Industriezeitalter mit der hochtechnisierten und chemischen Herstellung von Nahrung, Kleidung, Möbeln, Alltagsgegenständen und anderen Produkten, hat dazu geführt, dass wir fast permanent von Giftstoffen umgeben sind, die unser Körper langsam und kontinuierlich in sich aufnimmt, wodurch eine Vielzahl an unterschiedlichen Vergiftungssymptomen entstehen können.
Auf der emotionalen Ebene vergiften wir unseren Organismus dann, wenn wir vorhandene Gefühle unterdrücken und herunterschlucken, weil wir sie uns nicht anschauen wollen, weil wir glauben, keine Zeit für sie zu haben, weil wir sie fürchten, oder weil wir der Überzeugung sind, dass wir diese Gefühle gar nicht haben dürften. Alle Gefühle, die in uns entstehen, haben einen Grund und einen Sinn. Sie wollen gefühlt und wahrgenommen werden. Wenn wir sie unterdrücken, bleiben sie unterschwellig in uns bestehen, bis wir sie betrachten, fühlen und nach außen bringen. Jedes Gefühl wird auf der körperlichen Ebene durch bestimmte Impulse, Hormone und Botenstoffe erzeugt, die wieder abgebaut werden, wenn das Gefühl verschwindet. Verschwindet es jedoch nicht, bleiben die Botenstoffe in unserem Körper und führen so langfristig ebenfalls zu einem Ungleichgewicht, das Vergiftungserscheinungen hervorruft.
Eine besondere Form der Vergiftung ist die Übersäuerung. Auch hier herrscht in unserem Körper normalerweise ein stetiges Gleichgewicht, zwischen Säuren und Basen. Unsere unartgerechte Lebensweise führt jedoch dazu, dass sich dieses Gleichgewicht immer mehr in Richtung Säure verschiebt. Unsere Zellen, unser Blut und unsere einzelnen Organe können aber nur dann richtig funktionieren, wenn sie sich innerhalb eines bestimmten pH-Rahmens befinden. Wird ihr Milieu zu sauer oder zu basisch, können sie nicht mehr arbeiten. Es kommt zu Ausfällen, Fehlfunktionen oder gar Schockzuständen im Körper, die wir ebenfalls in Form von Krankheiten und Entzündungen spüren und die sogar tödlich enden können.
Auch hier kann die Ursache wieder sowohl auf der körperlichen als auch auf der emotionalen Ebene liegen. Nicht umsonst sprechen wir davon, dass wir „sauer werden“, wenn wir wütend sind. Die nicht verdauten Gefühle, die sich in unserem Organismus anstauen verschieben unser Körpermilieu in Richtung der Säure und bringen uns so aus dem Gleichgewicht. Genau das gleiche Ergebnis erhalten wir auch bei einer überwiegend säurehaltigen Ernährung und durch die Aufnahme von anderen Säurebildnern über das Wasser, die Luft oder die Haut.

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