Was ist Hyperthermie – Wie du bei -20 °C nicht zum Tiefkühlgemüse wirst
Ein eiskalter Überlebensguide von Heiko Gärtner – mit Pelz im Herzen und Feuer im Blick
❄️ Warum Wintercamping großartig ist (und tödlich, wenn du es falsch machst)
Wenn der durchschnittliche Mitteleuropäer bei 15 °C schon nach der Wärmflasche ruft, sind echte Outdoor-Freaks erst am Aufwärmen. Wintercamping ist abenteuerlich, einsam – und gnadenlos ehrlich.
Denn während dir im Sommer die Mücken und deine eigene Schweißproduktion den Nerv rauben, zeigt dir der Winter ohne Umwege:
„Du bist vorbereitet – oder du bist bald sehr, sehr kalt!“
🧠 Wissenschaftlich gesehen: Warum wir frieren wie ein nasser Neandertaler
Dein Körper verliert Wärme über vier Wege:
1 Radiation (Strahlung): Wärme geht an die Umgebung – z. B. in einer eisigen Winternacht im Zelt ohne Isomatte.
2 Conduction (Leitung): Du liegst auf kaltem Boden? Dann adieu, Körperwärme!
3 Convection (Konvektion): Kalter Wind zieht dir durch die Jacke? Du bist der Wärmespender für die Atmosphäre.
4 Evaporation (Verdunstung): Du schwitzt – und kühlst dabei ab. Ironisch? Vielleicht. Gefährlich? Absolut.
Quelle: Castellani, J.W. & Tipton, M.J. (2016). Essentials of Human Thermoregulation, Wilderness & Environmental Medicine
🧊 Hypothermie & Frostbite – Die ungebetenen Gäste auf deiner Wintertour
🩻 Hypothermie beginnt bei 35 °C Körpertemperatur und endet (ohne Hilfe) im Grab.
Stadien:
• Mild: Zittern, Frieren, Koordinationsprobleme
• Moderat: Verwirrtheit, Apathie, verlangsamter Puls
• Schwer: Bewusstlosigkeit, flache Atmung, Paradoxical Undressing (JA, man zieht sich aus, weil’s „zu heiß“ ist)
Quelle: Brown, D.J. et al. (2012). Accidental Hypothermia. New England Journal of Medicine
🩳 Frostbite – Wenn dir deine Zehen ins Jenseits winken
• Stadium 1: Frostnip – reversible, brennend, rot
• Stadium 2: Superficial – Blasenbildung, Taubheit
• Stadium 3: Deep – schwarzes Gewebe, Gewebe stirbt, mögliche Amputation
Behandlung: Warmes Wasser (37–39 °C), kein Reiben, keine Heizkissen!
Siehe: National Institute of Health (NIH), Frostbite: Emergency First Aid Guidelines
🛠️ Die goldene Ausrüstung – Ohne sie wird’s haarig (und kalt)
🧭 Dave Canterbury’s „5 C’s of Survivability“ (frei interpretiert von Heiko):
1 Cutting Tool: Ohne Messer kein Lagerbau, kein Feuerholz, kein Jagderfolg – also: mitnehmen!
2 Combustion Device: Mindestens 2 Methoden zum Feuermachen (Feuerstahl, Sturmstreichhölzer, Watte+Vaseline)
3 Cover: Zelt, Plane, Biwaksack – Hauptsache winddicht!
4 Container: Edelstahlflasche – zum Wasser abkochen & Wärmflasche improvisieren
5 Cordage: Paracord. Für alles. (Zelt, Fallen, Schuhreparatur, Zeltdach, Zahnbürste improvisieren)
🧳 National Park Service: Die 10 Essentials
• Navigation (Karte, Kompass, GPS)
• Sonnenschutz (auch bei Schnee wichtig!)
• Isolationskleidung (Merino, Daune, Wolle)
• Licht (Stirnlampe mit Ersatzbatterien)
• Erste Hilfe (inkl. Blasenpflaster & Wärmepads)
• Feuer (Ferro Rod, Zunder, Feuerzeug)
• Reparaturtools (Multitool, Klebeband)
• Nahrung (hochkalorisch, z. B. Pemmikan, Nüsse, Trockenfleisch)
• Wasser & Filter (SteriPen, Micropur, Edelstahlflasche)
• Notunterkunft (Tarp, Rettungsdecke, Biwaksack)
🛌 Schlafen bei Frost – Die Kunst, nicht als Eiszapfen aufzuwachen
• R-Wert deiner Matte ≥ 4, besser 5+
• Daunenschlafsack mit Komforttemperatur 10 °C unter erwarteter Nacht-Tiefsttemperatur
• Mummy-Form mit Kapuze
• Kleidung trocken & locker – keine Baumwolle!
• Wärmflasche mit heißem Wasser in Thermosocke
• Jacke mit frischen Klamotten in den Fußraum legen
Quelle: ASTM F3340 – Standardnorm zur Bewertung von Schlafunterlagen
🔥 Feuer machen wie ein echter Neandertaler (nur mit YouTube-Abo)
• Feuerhöhe = Feuerbreite → Besserer Luftzug
• Windschutz aus Steinen oder Holz
• Zunder vorbereiten: Birkenrinde, Kienspan, selbstgemachte Charcloth
• Reflektorwand aus Alufolie, Rettungsdecke oder nassem Holz (verbrannt es nicht)
💡 Historisch belegt: Schon die Gravettien-Kultur (ca. 25.000 v. Chr.) baute Feuerstellen mit Luftkanälen und Wärmereflektoren
🧣 Kleidung wie ein Höhlenmensch mit Style
• Baselayer: Merino oder Synthetik (niemals Baumwolle!)
• Midlayer: Fleece, Wollpulli oder Kunstfaser
• Outerlayer: Winddicht & atmungsaktiv (Gore-Tex)
• Accessoires: Schal, Sturmhaube, gefütterte Mütze, Fingerhandschuhe unter Fausthandschuhen
⛺ Der richtige Zeltplatz – Dein Schloss im Schnee
• Ort: Windgeschützt, NICHT im Talgrund
• Schnee vorher planieren & verdichten
• Zelt gut abspannen – Schneelast = Killer
• Lüftungsschlitze offen lassen → Kondenswasser ist der wahre Feind
Archäologische Notiz: Inuit-Iglus hatten gezielte Luftkanäle zur Feuchtigkeitsregulierung
🔚 Fazit: Wintercamping ist kein Wellnessurlaub – aber das Beste, was du erleben kannst
Wenn du vorbereitet bist, wird der Winter dein bester Freund. Wenn nicht… nun ja… dann lernst du ihn sehr intim kennen – mit blauem Gesicht und steifen Zehen.
Denk immer daran:
„Wer den Winter überlebt, der hat den Sommer nicht mehr nötig.“ – Heiko Gärtner (nach einer Nacht bei -28 °C im Biwaksack mit Fuchsbesuch)

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