Survival Guide: Welche Kerben solltest du schnitzen können und warum?
Im Bushcrafting und Survival ist das Schnitzen von Kerben eine der grundlegendsten Fähigkeiten. Mit verschiedenen Kerben lassen sich zahlreiche Werkzeuge, Verbindungen und Konstruktionen herstellen, die das Überleben in der Wildnis erleichtern. In diesem umfassenden Guide werde ich dir die wichtigsten Kerben vorstellen, ihre praktischen Anwendungen erläutern und dir zeigen, wie du sie schnitzen kannst. Lass uns tief in die Welt der Kerben eintauchen und entdecken, welche unerwarteten Möglichkeiten sie bieten.
1. Die V-Kerbe – Perfekt zum Befestigen
Die V-Kerbe ist eine der einfachsten und vielseitigsten Kerben. Du schnitzt sie, indem du dein Messer im 45-Grad-Winkel ins Holz treibst und zwei Schnitte in einem V-Form anfertigst. Diese Kerbe kann auf vielfältige Weise eingesetzt werden:
• Befestigung von Paracord: Die V-Kerbe ist ideal, um Paracord an einer bestimmten Stelle eines Stocks zu fixieren. Das Seil verrutscht nicht mehr, was besonders nützlich ist, wenn du einen Knebel zum Aufhängen eines Topfes herstellen möchtest.
• Feuerbohren: Beim traditionellen Feuerbohren dient die V-Kerbe im Feuerbrett dazu, die erzeugte Glut aufzufangen, die dann auf ein Blatt oder ein Stück Rinde fällt.
• Stapelhilfe: Wenn du Holz aufeinander stapeln möchtest, verhindert die V-Kerbe, dass die Hölzer verrutschen oder vom Stapel rollen. Die Kerbe sollte dabei den Durchmesser der Hölzer haben.
2. Die Blockhüttenkerbe – Vielseitig wie keine Zweite
Die Blockhüttenkerbe ist eine der wichtigsten Verbindungen im Bushcrafting. Sie wird hergestellt, indem du zwei parallele Schnitte in das Holz setzt und das Material dazwischen entfernst. Diese Kerbe ermöglicht das einfache Verbinden von Stöcken oder Balken:
• Blockhüttenbau: Zwei Stücke Holz mit Blockhüttenkerben der gleichen Größe können ineinandergelegt werden, ohne dass die Verbindung eine dickere Stelle darstellt. Dies ist die Grundlage für den Bau von Blockhütten.
• Packrahmen: Ein einfacher Packrahmen lässt sich mit Blockhüttenkerben schnell herstellen. Vier daumendicke Hölzer (zwei lange und zwei kurze) werden an den markierten Stellen mit Blockhüttenkerben versehen und miteinander verbunden. Die Bindung kannst du mit Paracord oder Naturschnur verstärken.
3. Die Halbrunde Kerbe – Einfach und Effektiv
Die Halbrunde Kerbe ist einfach zu schnitzen und vielseitig einsetzbar. Sie wird häufig für die Herstellung von Heringen verwendet:
• Heringe: Mit dieser Kerbe kann das Paracord nicht vom Hering abrutschen. Du kannst schnell Heringe schnitzen, um z.B. deinen Poncho bei einem Schlafsetup zu befestigen.
• Astdurchtrennung: Ohne Säge kannst du mit der Halbrunden Kerbe einen Ast durchtrennen, indem du eine Kerbe um den gesamten Umfang schnitzt und den Ast dann sauber brichst. Diese Technik ist auch zum Fällen kleiner Bäume geeignet.
4. Die Henkelkerbe – Perfekt für deinen Topf
Die Henkelkerbe bietet zahlreiche Anwendungen, insbesondere als Topfaufhänger:
• Topfaufhänger: Schnitze zwei gegenläufige Henkelkerben in einen Stock. Die obere Kerbe kann an einem parallelen Stock über dem Feuer eingehängt werden, während du in die untere Kerbe deinen Topf einhängst.
• Dreibein: In Kombination mit einem Dreibein lässt sich die Henkelkerbe hervorragend nutzen, um deinen Topf über dem Feuer zu hängen. Bei dickeren Schnüren bietet eine leicht unterhöhlte Henkelkerbe mehr Halt.
5. Die Dovetail-Kerbe – Stabil und Robust
Die Dovetail-Kerbe ist anspruchsvoller, aber extrem stabil. Sie sieht aus wie eine Mischung aus zwei Henkelkerben und einer Blockhüttenkerbe:
• Verbindungen: Schnitze das Ende eines anderen Stocks in der gleichen Form wie die Aussparung der Kerbe. Diese Verbindung ist besonders stark und kann mit Paracord, Naturschnur und Pech weiter gefestigt werden. Sie eignet sich gut für dauerhafte Konstruktionen.
Schnitztechniken und Übungen
Schnitzen ist eine Kunst, die viel Übung erfordert. Eine bewährte Methode zur Verbesserung deiner Fähigkeiten ist das Anfertigen eines Try-Sticks, nach dem Vorbild von Mors Kochanski. Dabei schnitzt du verschiedene Kerben und Spitzen in einen einzigen Stock:
• Spitze anschnitzen: Das Ende deines Try-Sticks zu einer Spitze schnitzen.
• Halbe Rundung: Die Spitze abflachen zu einer halben Rundung.
• Halbrunde Kerbe: Eine halbrunde Kerbe schnitzen.
• Reduktion: Eine Reduktion rund herum schnitzen.
• Quaderförmige Reduktion: Eine quaderförmige Reduktion schnitzen.
• V-Kerbe: Eine V-Kerbe schnitzen.
• Henkelkerbe: Eine Henkelkerbe schnitzen.
• Blockhüttenkerbe mit Loch: Eine Blockhüttenkerbe mit Loch in der Mitte schnitzen.
• Spatel: Das andere Ende zu einem Spatel schnitzen.
Messerempfehlungen für Bushcraft und Schnitzen
Ein gutes Messer ist beim Bushcrafting unerlässlich. Hier sind drei Empfehlungen:
• Puma IP – Cervato: Ein handliches Messer, das sich hervorragend für schnitztechnische Aufgaben eignet. Es ist erschwinglich und liegt gut in der Hand.
• Cold Steel – AD-10: Ein robustes Klappmesser mit Tri-Ad Lock und Superstahl, das auch im Wald gut eingesetzt werden kann.
• Puma IP – Elk Hunter: Ein Messer mit Hirschhorn-Griffschalen, das hervorragend in der Hand liegt und eine gut kontrollierbare Klinge bietet.
Fazit – Kerben als Grundlage im Bushcraft
Die Kunst des Kerbenschnitzens ist eine fundamentale Fähigkeit im Bushcrafting und Survival. Sie ermöglicht das Erstellen von Werkzeugen, Verbindungen und Konstruktionen, die das Überleben in der Wildnis erleichtern. Regelmäßiges Üben und das Meistern der verschiedenen Kerbentechniken sind essenziell, um in Notsituationen vorbereitet zu sein. Ob du nun einen Topfaufhänger, einen Packrahmen oder eine stabile Verbindung für einen Unterschlupf brauchst – mit den richtigen Kerben und etwas Übung bist du für jede Herausforderung gewappnet. Viel Spaß beim Schnitzen und Entdecken neuer Möglichkeiten im Wald!

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